Weltuntergang

Jetzt habe ich gerade wieder angefangen zu bloggen und das soll es schon wieder gewesen sein? In der aktuellen Ausgabe des Kulturmanagement Magazins geht es um den «Weltuntergang», der 2012 (wieder einmal – diesmal laut Maya-Kalender) bevorstehen soll. Auf den Seiten 16ff. werden verschiedene Personen nach ihrer Vision eines Kulturbetriebs 0.0 gefragt, was also wäre, wenn man komplett bei Null anfangen müsste, weil keine Strukturen, kein Geld vorhanden wäre.
Als ich die Statements gerade las, musste ich an Olivier Messiaens «Quatour pour la fin du temps» denken. Nicht nur wegen des apokalyptischen Titels, sondern vor allem wegen der Entstehungsgeschichte des Quartetts, wenn man so will nämlich in einem Kulturbetrieb 0.0. Das Quartett entstand 1940/41 im Kriegsgefangenenlager Görlitz und wurde dort auch, vor fast auf den Tag genau 71 Jahren, bei Eiseskälte und unter widrigen Umständen vor 400 Personen uraufgeführt. Trotz oder gerade wegen dieser Umstände konnte Messiaen später sagen: «Niemals wurde mir mit soviel Aufmerksamkeit und Verständnis zugehört.»
Dass Kunst auch unter solchen Bedingungen zustande kommt, bestätigt den viel zitierten Satz, dass sie kein Luxus ist, sondern ein ganz elementares Bedürfnis zu sein scheint. Es bestätigt aber auch, dass die kulturelle Infrastruktur, die wir heute kennen und um die vielerorts mittlerweile gekämpft werden muss, sehr wohl Luxus ist und keine zwingende Voraussetzung für ein lebendiges Kulturleben. Das Beispiel des Messiaen-Quartetts ist extrem und natürlich in keiner Weise ein wünschenswertes Szenario. Aber es zeigt in meinen Augen, dass überall da, wo Kultur ein echtes Bedürfnis der Menschen ist, sich auch entsprechende Strukturen herausbilden werden.

Vocalise, pour l’Ange qui annonce la fin du temps

httpv://www.youtube.com/watch?v=v-ngktQuGkI

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