(Neue) Musik für Kinder

Auf crescendo.de beklagt der Komponist Moritz Eggert, dass Neue Musik für und mit Kindern einen schweren Stand hat. Nicht nur, weil es nur wenige Komponisten gibt, die sich auf diesem Feld betätigen und diejenigen, die es tun, schnell einen Stempel als «Kinderkomponist» verpasst bekommen, sondern auch, weil die Feuilletons kaum, und wenn doch dann lustlos, über gute Projekte berichten.

Wer neue Musik für (oder noch schlimmer: mit) Kinder(n) macht steht definitiv hierarchisch unter demjenigen, der Musik für «Experten» macht. Wobei die Musik für «Experten» ein wesentlich spezielleres (und kleineres!) Publikum anspricht, als die Musik für Kinder.

Einen Grund dafür glaube ich bereits in Eggerts Text erkannt zu haben: Was soll der Seitenhieb gegen Rolf Zuckowski und seine «Klone»? Ist das nicht genau die Dünkelhaftigkeit gegenüber Musik für Kinder, die Eggert selbst beklagt? Die Neue Musik für Kinder, die ich kenne, finde ich vom «künstlerischen Mehrwert» her betrachtet auch eher dürftig. Sie klingt in aller Regel so, als hätte der Komponist eigentlich lieber für Erwachsene geschrieben. Das kann man von Rolf Zuckowski nicht sagen. Sein Schlagersound ist manchmal nervig, die Musik oft vorhersehbar, hat aber immer Ohrwurmqualität. Die Texte sind allerdings meistens deutlich über Schlagerniveau. Nicht anders bei Zuckowskis Schweizer «Klon» Andrew Bond, der musikalisch oftmals origineller ist, textlich oftmals etwas einfacher gestrickt. Wie auch immer, ihre Lieder knüpfen direkt an der Lebenswelt der Kinder an, und da gehört die von Eggert belächelte Weihnachtsbäckerei ebenso dazu wie Quatschlieder aber auch Themen wie soziale Ausgrenzung, die eigene Persönlichkeit entdecken, Krisen meistern etc. Da werden keinesfalls nur Klischees bedient (wie im Schlager), sondern auf eine kindgerechte Art und Weise die wichtigen Fragen des (Kinder-)Lebens thematisiert. Und genau das soll Kunst doch tun: Uns mit existenziellen Fragen konfrontieren, oder?

Update: Ursprünglich hatte ich in diesem Beitrag das c in Rolf Zuckowski unterschlagen, was Moritz Eggert völlig zu Recht gestört hat. Danke für den Hinweis. Und lest am besten auch die Kommentare zu Eggerts Post. Dünkelhaftigkeit bei den Neue-Musik-Fans? Never ever!!

2 Kommentare

  1. Und dann: Über Geschmack lässt sich endlos streiten. Ob man nun lieber Zuckowski im hirnerweichenden Dauerloop hören will oder seine Kinder vielleicht doch lieber diese fantastische und subtile Kinderoper von Iris ter Schiphorst anschauen lässt, die ihnen Freiraum für Fantasie, Subtilitäten und eigene Imagination lässt (http://blogs.nmz.de/badblog/2016/07/11/13240/)…letztlich egal.
    Sowohl Zuckowski als aber auch Nicht-Schlager-Komponist XY werden für ihre künstlerische Arbeit für Kinder nicht genügend gewürdigt und man schaut auf sie herab. Dem ersten dürfte das nicht so viel ausmachen, da er das ganz bewusst als erfolgreiches kommerzielles Unternehmen betreibt, für zweitere ist diese Missachtung weniger schön. Das war eigentlich das Thema…mit Dünkel kommt man hier nicht weiter (der war aber auch nicht das Thema meines Artikels), und mit Anti-Neue Musik-Dünkel ebenso wenig, denke ich.

    • Dass ich jetzt nicht der ganz große Zuckowski-Fan bin, sehen Sie ja schon daran, dass ich seinen Namen erstmal konsequent falsch geschrieben habe. Unabhängig davon finde ich jedoch, dass seine Lieder eindeutige Qualitäten haben. Und natürlich ist mir auch klar, dass der Seitenhieb gegen Zuckowski eigentlich nur eine launige Randbemerkung in Ihrem Artikel ist. Aber eben auch doch wieder nicht insofern, als er sich genau die Herablassung herausnimmt, die Sie in Bezug auf Neue Musik für Kinder kritisieren. – Anti-Neue-Musik-Dünkel hilft auch nicht weiter, das sehe ich im Grund auch so, zumal diese Genres für Kinder überhaupt keine Bedeutung haben. Meine schlechten Erfahrungen mit Neuer Musik für Kinder sind allerdings auch kein Dünkel, sondern subjektive Erfahrung: Kann sehr gut sein, kann sehr schlecht sein. Sie schreiben selbst, dass manche gute Komponisten ins Schwimmen geraten, wenn sie für Kinder komponieren sollen. Bei Zuckowski gibt es dagegen aufgrund der standardisierten Songs relativ wenig Ausschläge nach oben oder unten in der zu erwartenden Qualität. Zur Missachtung, die auch nicht finanziell kompensiert wird: Sie schreiben, Kinder seien ein schwieriges Publikum. Sie sind aber auch ein extrem dankbares Publikum. Das macht vielleicht einen Teil der Missachtung wieder gut, zumindest für die ausübenden Künstler. Am Opernhaus Zürich ist es jedenfalls so, dass die Künstler nach anfänglicher Skepsis sich sehr gern in der Kinderoper besetzen lassen, auch weil sie nach jeder Vorstellung abgefeiert werden wie Miley Cyrus (hoffentlich richtig geschrieben 😉 ).

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