Die 10 wichtigsten Bücher zu Kulturmanagement und Digitalisierung

Letztes Jahr habe ich für das Institut für Kultur- und Medienmanagement einen Studienbrief (Lehrbuch für die Fernstudenten) über digitale Kommunikation in Kultureinrichtungen geschrieben. In dem Zuge habe ich mir natürlich auch einen Überblick über die Fachliteratur zu dem Thema verschafft. Diesen Überblick wollte ich schon lange einmal für mein Blog zusammenfassen. Ich hatte auch schon einen Artikel angefangen, der dann aber doch erstmal liegen geblieben ist. Jetzt war es mir ein willkommener Prokrastinations-Anlass, ihn fertig zu stellen. Die Kriterien für meine Auswahl sind natürlich radikal subjektiv. Deswegen gleich die Frage: Was würdet ihr ergänzen oder ersetzen? Mehr…

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Wie wird man Kulturmanager?

Zunächst einmal ein frohes neues Jahr und viel Erfolg und alles Gute für 2019!

In der Ausgabe der Süddeutschen Zeitung vom vergangenen Wochenende ist unter der Überschrift Die Möglichmacher ein Artikel erschienen, der einen guten Überblick gibt, was man heute als Kulturmanager können muss, wie sich das Berufsbild geändert hat und weiter ändert und welche Ausbildungsmöglichkeiten es gibt. Im Zuge der Recherchen hat die Redakteurin im vergangenen Herbst auch mit mir gesprochen und meine Prognose zur digitalen Zukunft des Fachs übernommen:

Holst sieht das Kulturmanagement der Zukunft als „Knotenpunkt“, in dem sich der digitale Austausch zwischen kreativen Künstlern und kreativem Publikum bündeln könnte.

Leider gibt es noch viel zu wenige Beispiele, wie so etwas konkret aussehen könnte. Einen kleinen Eindruck gibt die Aktion eines Künstlerkollektivs, das letztes Jahr das MoMA digital gekapert hat. Warum solche Aktionen nicht viel öfters und viel gezielter auch im Einvernehmen veranstalten?

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Co-Creation: Kulturtempel als Selbstbedienungsläden

Einen Tag vor der Eröffnung der Bayreuther Festspiele 2015 wurde der erste Tweet im frisch eröffneten Twitter-Account @BayreuthFest veröffentlicht:

Morgen gehen die Bayreuther Festspiele los. Dieses Jahr wagen wir den Schritt weiter in den neuen Medien: Hallo Twitter!— BayreutherFestspiele (@BayreuthFest) 24. Juli 2015

Die Komische Oper Berlin, die selbst schon seit längerer Zeit auf Twitter aktiv war, begrüßte die Festspiele und wünschte viel Erfolg. Die Süddeutsche Zeitung, der Bayerische Rundfunk, ZEIT online und andere erwähnten den Account und griffen die dort verwendeten Hashtags für die eigene Berichterstattung auf. Auch bei Wagner-Fans fand der Account sofort Anklang: Zwei Tage nach dem ersten Tweet zählte @BayreuthFest bereits 500 Follower, am Ende des Festspielsommers waren es 1.500.


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Die Elphi als Hamburgs «Eventbude»

Vor einiger Zeit hatte Ute Vogel auf Facebook eine Debatte darüber gestartet, ob es respektlos ist, am Ende von Aufführungen schnell zu verschwinden oder ob man nicht bis zum Ende des Applauses dableiben und klatschen sollte. Ich war und bin dafür, dass man auch gleich gehen darf, sei es, weil man auf Klo muss, einen Zug kriegen will oder den Abend in meditativer Stille nachklingen lassen möchte. Das muss nichts mit Respektlosigkeit gegenüber den Künstlern zu tun haben. Ich war allerdings eher auf verlorenem Posten mit dieser Meinung.

Letzte Woche musste ich an diese Diskussion denken, als ich ein Konzert von Nataša Mirković und Matthias Loibner im kleinen Saal der Elphi besuchte. Wenn es respektlos ist, direkt nach dem Ende des Konzertes zu gehen, fragte ich mich, was ist dann das richtige Adjektiv für das Verhalten des Publikums hier? Mehr…

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stARTcamp Sion – Die Dokumentation ist da!

Im vergangenen November haben wir in Sion im Wallis erstmals ein mehrsprachiges stARTcamp durchgeführt: Ein Teil der Sessions wurde auf deutsch angeboten, ein Teil auf französisch. Die Schweizer sind natürlich geübt sind, mit der Mehrsprachigkeit umzugehen, insofern funktioniert so etwas auch ganz unkompliziert und selbstverständlich. Manche Routine – in mittlerweile 30 stARTcamps eingespielt – wird aber dennoch über den Haufen geworfen. Zum Beispiel dauert die Begrüßung (logischerweise) bedeutend länger, wenn alles in zwei Sprachen angekündigt werden soll. Die Eröffnung lässt sich bei 50 Teilnehmern dann einfach nicht in einer halben Stunde durchziehen. Muss auch gar nicht. Ich fand, dass es dem Format sehr gut tut, wenn es mal anders ist und es sich weiterentwickelt. Auch wenn ich nicht viel Französisch verstehe, so kamen mir die Fragen und Probleme der Kultureinrichtungen in der Romandie doch bekannt vor: Immer wieder kam die Ressourcenfrage zur Sprache. Man würde gerne mehr machen, als mit den gegebenen Ressourcen möglich ist. Auch die strategische Einbettung von Social Media in andere (Kommunikations-)Aktivitäten scheint mir vielerorts nach wie vor eine Baustelle zu sein. Mehr…

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Conversation is King

Bill Gates Ausspruch «Content is king» schien lange Zeit ganz besonders auch für Kultureinrichtungen zu gelten. Schließlich ist das Produkt hier keine Ware oder Dienstleistung, sondern selbst «Content», die Häuser «prall gefüllt mit Geschichten und Geschichte, Menschen und Berufen», wie Hagen Kohn vor einiger Zeit schrieb.  Ich selbst war auch lange von dieser These überzeugt und habe sie z.B. in meinem Beitrag zum ersten stARTconference-Tagungsband vertreten. Gute, interessante Inhalte, so die Überzeugung, werden durch Suchmaschinen und die Verteilmechanismen digitaler Netzwerkmedien schon das Publikum erreichen, das sich für diese Inhalte interessiert. Pull statt Push. In meiner Arbeit ist dann allerdings eine gewisse Ernüchterung eingetreten, die ich vor einiger Zeit in einem Blogbeitrag beschrieben habe. Mir schien, dass insbesondere auf Facebook doch wieder die Regeln der klassischen Push-Werbung gelten. Der Blog-Artikel ist bereits dreieinhalb Jahre alt, der Eindruck verfestigt sich aber immer mehr. Mehr…

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Rückblick aufs Symposium an der Uni Regensburg

Auf Twitter habe ich schon etwas gespoilert: Das Symposium an der Uni Regensburg zum Thema «Die Zukunft des Kulturbetriebs in der digitalisierten Gesellschaft» war wirklich gut und interessant. Interessant war allein schon der Titel, weil er offen lässt, ob sich denn der Kulturbetrieb in einer digitalisierten Gesellschaft überhaupt selbst auch digitalisieren müsse. Normalerweise wird das ja als Selbstverständlichkeit vorausgesetzt und es gibt kollektives Haareraufen, wie schlimm Deutschland hinter dem Rest der Welt herhinkt und wie schlimm der Kultursektor hinter dem restlichen Deutschland hinterherhinkt. Hier war es ein etwas nüchternerer Blick: Die Digitalisierung ist ein Phänomen, mit dem man sich beschäftigen muss, aber die Schlussfolgerungen für das eigene Handeln liegen keinesfalls so sehr auf der Hand, wie immer der Anschein erweckt wird. Mehr…

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Theaternahes Rahmenprogramm auf dem Weg zur größten Sparte

Vor einer Woche hat der Deutsche Bühnenverein die Statistik für die Saison 2015/16 herausgegeben. Weitgehend Stabilität und Kontinuität: Gleich viele Vorstellungen wie in der Vorsaison, gleich viel Eigeneinnahmen, etwas mehr Geld von der öffentlichen Hand, ein paar mehr Mitarbeiter. Deutlich angestiegen sind zwei Zahlen: Zum einen die Besuchszahlen im Kinder- und Jugendbereich. Hier ist ein Zuwachs von 5 % festzustellen. Zu den Gründen dafür ist zumindest in der Pressemeldung nichts zu lesen. Zum anderen ist das «theaternahe Rahmenprogramm» angewachsen – um fast 10 %. Diese «5. Sparte» ist bereits in den vergangenen Jahren zur zweitgrößten Sparte in Bezug auf die Veranstaltungszahl angewachsen. Gemeint sind hier kleine Sonder- und Vermittlungsveranstaltungen: Podiumsdiskussionen, Workshops, Lesungen, Matineen – eben alles, was keine «normale», reguläre Aufführung ist. Bühnenverein-Geschäftsführer Grandmontagne sieht den Zuwachs dieser Veranstaltungen als Zeichen dafür, dass die Theater «also messbar mehr dafür [tun], in die Stadtgesellschaft hineinzuwirken und ihrer gesellschaftspolitischen Verantwortung gerecht zu werden.» Das ist sicher richtig und der Trend wird sich auch weiter fortsetzen. Mehr…

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Symposium: Die Zukunft des Kulturbetriebs in der digitalisierten Gesellschaft

Am 9. und 10. Oktober veranstalten die Lehrstühle für Medieninformatik und vergleichende Kulturwissenschaften der Uni Regensburg gemeinsam ein interdisziplinäres Symposium mit dem Titel «Die Zukunft des Kulturbetriebs in der digitalisierten Gesellschaft». Ich habe die Ehre, dort das Cast-Forschungsprojekt «Moving pictures moving audiences?» vorstellen zu dürfen. Bei diesem Projekt haben wir untersucht, wie Zürcher Kultureinrichtungen Bewegtbild in ihre Kommunikationsstrategie integrieren. Die Teilnahme an dem Regensburger Symposium ist übrigens kostenlos, man muss sich nur bis zum 30. September beim Organisationsteam anmelden. Und wer nicht kommen kann, findet einen Aufsatz über das Projekt in der kommenden Ausgabe der Zeitschrift für Kulturmanagement.

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Künstlerische Forschung über Trump vs. Clinton

Mir war lange nicht klar, was «künstlerische Forschung» eigentlich sein und bringen soll. Jetzt bin ich zufällig auf ein Beispiel gestoßen, anhand dessen man das gut erklären kann: «Her Opponent» ist eine Art «Best of» aus den Fernsehdebatten von Clinton und Trump, nachgestellt mit der Methode des dokumentarischen Theaters. Das Setting ist allerdings etwas verändert: Trump wird von einer Frau und Clinton von einem Mann dargestellt. Die Idee dabei:

What would the experiment reveal about male and female communication styles, and the differing standards by which we unconsciously judge them?

Die Annahmen der Forscher waren folgende:

that Trump’s aggression—his tendency to interrupt and attack—would never be tolerated in a woman, and that Clinton’s competence and preparedness would seem even more convincing coming from a man.

Vor und nach den Vorstellungen wurden die Zuschauer befragt, was sie von der Debatte mit vertauschten Geschlechterrollen erwarten bzw. wie sie sie wahrgenommen hatten. Die Ergebnisse waren überraschend. Viele Personen hatten nicht damit gerechnet, dass sich ihre Sicht auf die Debatte so ändern würde. Der hartnäckige, angriffige Debattierstil der Frau fand Anerkennung und Respekt, das faktenkundige, aber auswendig gelernt erscheinende Reden des Mannes fand niemand einnehmend. Sein Dauerlächeln wurde gar als «really punchable» beschrieben. Die Wahl wäre also möglicherweise wesentlich deutlicher zu Gunsten Trumps ausgegangen, wenn er eine Frau und Clinton ein Mann wäre.

Auf youtube gibt es einen kurzen Probenmitschnitt zu sehen. (S. auch die Kommentare unter dem Video.)

Leider habe ich nicht das ganze Stück gesehen und eine Einschätzung auf Basis dieser zwei Minuten ist zugegebenermaßen etwas zweifelhaft. Aber mein vorsichtiger Eindruck geht in die Richtung, die auch das Publikum beschreibt. Zwar wirkt keiner der beiden Kandidaten sympathisch oder gar gewinnend, aber die Frau doch wesentlich klarer und greifbarer in ihrem Anliegen.

Dokumentarisches Theater ist sicher methodisch an vielen Punkten angreifbar: Vielleicht war die Frau einfach der bessere Schauspieler? Vielleicht wäre mit anderen Schauspielern etwas anderes herausgekommen? Trotzdem zeigt dieses Beispiel in meinen Augen gut, dass künstlerische Forschung durch Veranschaulichung und Perspektivwechsel aufschlussreiche Erfahrungen und Erkenntnisse ermöglichen kann.

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