(Neue) Musik für Kinder

Auf crescendo.de beklagt der Komponist Moritz Eggert, dass Neue Musik für und mit Kindern einen schweren Stand hat. Nicht nur, weil es nur wenige Komponisten gibt, die sich auf diesem Feld betätigen und diejenigen, die es tun, schnell einen Stempel als «Kinderkomponist» verpasst bekommen, sondern auch, weil die Feuilletons kaum, und wenn doch dann lustlos, über gute Projekte berichten.

Wer neue Musik für (oder noch schlimmer: mit) Kinder(n) macht steht definitiv hierarchisch unter demjenigen, der Musik für «Experten» macht. Wobei die Musik für «Experten» ein wesentlich spezielleres (und kleineres!) Publikum anspricht, als die Musik für Kinder.

Mehr…

j j j

Das Fernsehen ist tot, es lebe das Streaming!

Im Rückblick auf das stARTcamp Bern habe ich neulich bereits anklingen lassen, dass ich noch ausführlicher auf das Forschungsprojekt eingehen möchte, an dem ich gerade arbeite. Bei diesem Projekt geht es um die Frage, wie Zürcher Kultureinrichtungen Bewegtbildinhalte nutzen. Neben einer kleinen Befragung aller Einrichtungen, die öffentliche Zuschüsse von Kanton oder Stadt erhalten, habe ich vier vertiefende Interviews geführt, eins davon mit Claudio Cappellari, dem Co-Direktor des Zürcher Jazzclubs Moods. In diesem Interview geht es um das Streaming-Angebot, das das Moods in wenigen Wochen starten wird. Dieses Angebot kann man sich – analog zur Digital Concert Hall der Berliner Philharmoniker – als «Digital Jazzclub» vorstellen. Mehr…

j j j

Mit Enthusiasmus und Selbstironie gegen die Klassik-Filterblase

Steven Walter hat im Blog des Podium Festivals gerade ein paar interessante Gedanken zur Selbstbezogenheit der Klassikszene aufgeschrieben. Das Problem der sog. Filterblasen (eigentlich ein neues Wort für «Elfenbeinturm»), in denen man sich permanent seiner eigenen Meinung versichert, ist natürlich in allen gesellschaftlichen Bereichen anzutreffen. Insbesondere der Politik, wo Meinungen, die mit der eigenen nicht kompatibel sind, solange es geht ausgeblendet oder – falls das nicht mehr möglich ist – skandalisiert werden. Wer eine typische Karriere in der Welt der klassischen Musik durchläuft, lernt nicht nur ein Instrument zu spielen, sondern bekommt auch ein bestimmtes «Mindset» mit auf den Weg. Mehr…

j j j

PR-Gag «Opernhaus des Jahres»

Auf der Website Opernnetz hat deren Chefredakteur Michael Zerban einen Kommentar verfasst, in dem er mit die jährliche Kritikerumfrage der Opernwelt und die daraus resultierenden Auszeichnung von Opernhaus, Sänger, Regisseur etc. des Jahres auseinander nimmt. In seinen Augen handelt es sich um einen PR-Gag eines kleinen Fachmagazins:

Die Opernwelt existiert seit 1960 und hat ihre besten Zeiten längst gesehen. Heute vegetiert sie nach eigenen Angaben mit einer Auflage von 10.000 Exemplaren monatlich dahin – nicht IVW-geprüft, Tendenz fallend. (…) Aber einmal im Jahr ist ihr Name in vieler Munde. Nämlich dann, wenn sie unter anderem das «Opernhaus des Jahres» kürt.

Mehr…

j j j

Sinfon-O-Mat

Als eine «Sensation im Bereich der künstlichen Intelligenz» preist das VAN-Magazin seinen Sinfon-O-Mat an. Man muss einfach ein paar Fragen beantworten und der Apparat – angeblich entwickelt von Hirnforschern und Programmierern – spuckt einem aus, welche von abertausenden Sinfonien einem wie auf den Leib komponiert wurde. Bei mir kam Franz Berwalds Sinfonie Nr. 4 heraus. Klingt wie schlechter Schubert. Ich befürchte deswegen, die Euphorie der VAN-Leute ist etwas voreilig. 😉 Einmal mehr stellen wir fest, dass in punkto Big Data und klassische Musik noch ein langer Weg zu gehen ist.

j j j

Vier tote, weiße Männer füllen die Konzertsäle

Ein Viertel aller Stücke, die die großen US-Orchester ins Programm nehmen, stammen von nur vier Komponisten, berichtet Norman Lebrecht. Eine kleine Handvoll toter weißer Männer, nämlich Mozart, Beethoven, Brahms und Tschaikowsky. «And you wonder why people have stopped going», schlussfolgert Lebrecht aus dieser «schockierenden Statistik» lakonisch. Offenbar sitzt er auch dem zur Zeit um sich greifenden Glauben auf, dass ethnische, soziale, geschlechtliche Vielfalt per se (musikalische) Qualität und ein begeistertes, treues Publikum bedeutet. Nähere Begründung, warum das so sein sollte? Fehlanzeige. Es kann also genauso gut sein – mir persönlich erscheint das auch wesentlich wahrscheinlicher -, dass es diesen vier toten weißen Männern zu verdanken ist, dass überhaupt noch Leute ins Konzert gehen. (Plakativ gesprochen.) Sofia Gubaidulina beispielsweise ist eine weiße, lebende Frau und großartige Komponistin aber nicht gerade bekannt dafür, dass die Leute ihrer Werke wegen scharenweise in die Konzertsäle strömen würden. Das kann man schade finden, ist aber eine Tatsache, mit der die Orchester umgehen müssen.

j j j

Musiker als Unternehmer

Aktuell gibt es beim VAN-Magazin einen sehr ausführlichen, lesenswerten Kommentar von der Komponistin Emily Doolittle zum Thema «Komponisten als Entrepreneure».

Der Kommentar basiert auf der altbekannten Prämisse, dass Kunst nichts müssen soll und folglich Kunst und ökonomische Zweckorientierung nicht zusammenpassen. So weit, so richtig, die Frage scheint mir hier zu sein, wie der Begriff Unternehmertum verstanden wird. Wenn er Vorschub leisten soll, das Dasein von Künstlern laufend zu prekarisieren und die sozialen Risiken dieses Daseins zu privatisieren, wenn er meint, Kunst müsse gezielt an Marktbedürfnissen oder gar Renditeaussichten ausgerichtet werden, dann lehne ich ihn auch ab.

Aber ich verstehe den Begriff nicht so. Nicht im Kultursektor und auch in Bezug auf andere Bereiche nicht. Unternehmerisch zu arbeiten heißt in meinem Verständnis vor allem, initiativ zu sein, Möglichkeiten zu suchen und zu finden, gestaltend zu arbeiten – unabhängig davon, was man gestaltet. Das können Produkte sein, soziale Strukturen, ein Geschäftsmodell, Farben, Töne oder was auch immer. In diesem Sinne arbeitet ein Unternehmer immer ins Ungewisse hinein und muss immer Kreativität und eine gewisse Risikobereitschaft mitbringen. Der Software-Entwickler wie der Künstler. Mit dem Unterschied, dass der Software-Entwickler bessere Aussichten hat, für seine Risikobereitschaft eines Tages finanziell belohnt zu werden. Aber zunächst einmal setzt Unternehmertum immer auch eine gewisse wirtschaftliche Unabhängigkeit voraus, weil man die Früchte seiner Arbeit – seien sie materieller oder immaterieller Art – immer erst später ernten kann. Insofern gebe ich Doolittle dann doch wieder recht, wenn sie schreibt:

Wir brauchen Stiftungen und Töpfe, die auf der Basis unterstützen, was wir versuchen, nicht, was wir versprechen zu produzieren. Wir brauchen die Freiheit, auch Musik zu schreiben, von der das Publikum noch nicht weiß, dass es sie will. Wir brauchen ein soziales System, dass es uns ermöglicht, lang genug nicht über Geld nachzudenken, um etwas zu erschaffen. Und wir müssen die Möglichkeit haben, zu experimentieren, ohne uns zu sorgen, dass das Ausbleiben eines kommerziellen Erfolgs im finanziellen Ruin mündet.

j j j

Tablets statt Notenständer

Norman Lebrecht berichtet, wie Tablets die klassischen Papiernoten ersetzen. Ist vielleicht praktisch, wenn nicht mehr alle Striche, Notizen und Korrekturen von Hand eingetragen werden müssen, sondern mit einer Änderung für alle Musiker einer Gruppe verfügbar sind. Umblättern geht per Pedal, ohne Geraschel und ohne Hektik. Und wenn sich die Tablets erstmal etabliert haben, kann der Dirigent eigentlich zu Hause bleiben und von dort kann er vor einer Kamera dirigieren, die ihn auf die Tablets überträgt. Wäre gut für’s Klima, schlecht für die Fluggesellschaften. 😉

j j j

Warum der Klassikbetrieb keinen Geschlechterkampf braucht

Susanne Küblers Kritiken zu den Produktionen am Opernhaus Zürich habe ich nicht immer geteilt, fand sie aber immer fair und nachvollziehbar. Gleiches gilt für ihre kulturpolitischen Statements. Umso mehr wundert mich ihr aktueller Artikel über die angeblich ausbaufähige Gleichberechtigung im Klassikbetrieb. Sie lobt zunächst die Bemühungen des Lucerne Festivals, dirigierende und komponierende Frauen zum Schwerpunkt zu machen. Das mag man als kulturpolitisch wertvolles Signal werten. In meinen Augen ist das eine Themensetzung, die vor allem unter PR-Gesichtspunkten sinnvoll war, weil sie mehr Medien-Aufmerksamkeit gebracht hat, als etwa «Humor» oder andere Schwerpunkte der letzten Jahre. Aber welches künstlerisches Statement sollte damit verbunden sein? Mehr…

j j j

Gelungene stARTcamp-Premiere in der Schweiz

Die ersten Ideen für ein Schweizer stARTcamp gehen zurück in das Jahr 2012, wenn ich das richtig erinnere. Und wie das in der Schweiz mitunter so ist, dauert es einfach ein kleines bisschen länger als anderswo. Am vergangenen Montag war es dann aber endlich soweit mit der Schweizer stARTcamp-Premiere. Ca. 50 Camper waren wir im Historischen Museum Basel, das freundlicherweise Räume und Infrastruktur zur Verfügung gestellt hatte. In meinen Augen eine ideale Grösse für ein stARTcamp. Frank Tentler, der extra aus dem Ruhrgebiet angereist war, und Mitorganisator Axel Vogelsang haben bereits ausführliche Rückblicke in ihren Blogs veröffentlicht. Aber da jeder Teilnehmer aufgrund der parallel laufenden Sessions sein ganz individuelles stARTcamp erlebt, fasse ich den Tag hier auch noch einmal aus meiner Sicht zusammen. Mehr…

j j j