Nochmal stARTcamp Schweiz

Vor kurzem habe ich bereits über das Schweizer stARTcamp am 21. November geschrieben, bin dann aber schnell zu unseren Überlegungen zum #neustART der stARTconference abgeschweift. Deswegen also noch einmal etwas zum Inhalt des Schweizer Camps. Das Thema lautet «Der digital erweiterte Kulturraum», mit einem Schwerpunkt auf Contentstrategien und Storytelling. Es wird also um Fragen gehen a la: Wie erzählt man mit digitalen und mobilen Medien?, wie vermittelt man und weckt man Neugier auf die Kunst?, welche Möglichkeiten der Interaktion und Partizipation gibt es?, wie kann man den virtuellen Raum mit Inhalten bespielen?, welche Skills braucht es?, welche Strategien gibt es?, wie kann man mit Grenzen und Risiken umgehen?

Ich selbst werde eine Session mit dem Titel Moving picture moving audience anbieten, wo ich ein kleines Forschungsprojekt vorstelle, an dem ich gerade für das Institut für Designforschung (ZHdK) arbeite. Bei dem Projekt haben wir Zürcher Kultureinrichtungen befragt, wie sie Bewegtbild in ihrer Kommunikation einsetzen. Die Idee ist, aus der Praxis der Kultureinrichtungen abzuleiten, welche Ansätze und Konzepte gut funktionieren. Das Problem mit Ansätzen aus der Beraterpraxis ist ja oftmals, dass sie sehr generisch sind und/oder an der Realität der Kultureinrichtungen vorbeigehen. Die erste Befragungsrunde ist gerade abgeschlossen, in den kommenden Wochen folgen noch ein paar vertiefende Interviews, so dass ich beim stARTcamp dann werde sagen können, was dabei herausgekommen ist.

Außerdem wird im Rahmen des Schweizer stARTcamps auch der neue Leitfaden Social Media für Museen II – Das digital erweiterte Museum vorgestellt. Dieser Leitfaden wurde unter Federführung von Axel Vogelsang an der Hochschule Luzern, Design / Kunst erarbeitet. Den ersten Band kann man übrigens immer noch kostenlos als PDF bezehen. Wer sich also dafür interessiert ist herzlich eingeladen, im Anschluss an das Camp zum Apero (für deutsche Leser: Empfang) im Café Pavillon des Museums für Kommunikation zu kommen. Ein gedrucktes Exemplar (Limited Edition!) des Leitfadens ist für die Camp-Teilnehmer übrigens im Eintrittspreis inklusive!

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Internet als neues Heilsversprechen des Kapitalismus?!

In der wirklich empfehlenswerten Sendereihe Fragen an den Autor vom Saarländischen Rundfunk hörte ich vor kurzem ein Interview mit Susanne Gaschke über ihr Buch «Klick – Strategien gegen die digitale Verdummung». Grob gesagt lautet das Fazit: Wenn digitale Medien aufgrund unbestreitbarer Vorteile ergänzend eingesetzt werden ist das ok, wenn sie andere Aktivitäten verdrängen ist das problematisch. Da schimmern natürlich auch gewisse Vorbehalte einer Print-Journalistin mit durch, aber das macht diese Aussage ja noch nicht falsch. Wirklich interessant fand ich insbesondere einen Gedanken, den Gaschke ganz am Anfang der Sendung formulierte. Und zwar meinte sie, die sozialen Web-Medien seien das neue Heilsversprechen des Kapitalismus bzw. Neoliberalismus. Ihr Argument: Im Kontrast zum real existierenden Sozialismus lag das Heilsversprechen des Kapitalismus bis Ende der 80er stets auf der Hand. Diese Kontrastfolie Sozialismus gibt es seit einiger Zeit nicht mehr, weswegen der Kapitalismus, insbesondere in der aggressiv vorgetragenen Form des Neoliberalismus in den letzten Jahren in die Kritik geraten ist. Also wird die rasante und kapitalistisch getriebene Entwicklung des Internets zur Sozialutopie überhöht und das Netz zu einem demokratisierenden, völkervereinenden Instrument hochgejubelt: Jeder kann seine Meinung frei äußern, in unmittelbaren Kontakt mit Menschen auf der anderen Seite der Erde treten, grenzüberschreitende Zusammenarbeit wird möglich, Diktaturen erzittern vor seiner umstürzlerischen Kraft, in Wikipedia kumuliert sich die überschaubare Klugheit Einzelner zu einer enormen Weisheit der Massen usw. usf. Und all das hervorgegangen aus dem Geiste eines entfesselten, angelsächsisch geprägten Unternehmertums. Das ist ein interessanter Gedanke, denn etliche Prinzipien der sozialen Medien stehen tatsächlich erstmal im Gegensatz zu den Prinzipien des Kapitalismus, vor allem was Vorstellungen über Besitz und Eigentum und damit auch Verwertungs- und Kapitalisierungsrechte angeht. Auf er anderen Seite scheint das Internet die ideale Gelddruckmaschine zu sein, wenn man das richtige Geschäftsmodell gefunden hat. So schnell wie Google hat wahrscheinlich noch kein Weltkonzert zuvor derartige Marktmacht aufgebaut.

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