Kreativität kommt nicht von kreativen Typen

Veröffentlicht von Christian Holst am

Im Kulturmanagementblog beschäftigte Christian Henner-Fehr sich gestern mit (irrtümlichen) Erfolgsfaktoren des Innovationsmanagements und stellte fest, dass gerade das Teamwork bei Kultureinrichtungen oft zu kurz kommt, weil Kulturschaffende (s.a. Punkt 1: Kreativität kommt gar nicht von kreativen Typen!) tendenziell zu übermäßigem Einzelgängertum und Individualismus neigen. Daran anknüpfend gibt es noch zwei andere Gründe, die mir wichtig scheinen in Bezug darauf, warum es bei Kultureinrichtungen oft hapert.

Ein Hauptgrund für die professionelle Implementierung von Innovationsmanagement ist bei den meisten Unternehmen die mittel- und langfristige Existenzsicherung. Wer mit einer neuen Idee als erster auf dem Markt ist, verdient auch zuerst und solange er keine Nachahmer hat, kann er auch gut verdienen. Diese Motivation fällt für öffentlich finanzierte Kultureinrichtungen weg, weil ihre Existenz langfristig gesichert ist – zumindest prinzipiell. Im Rahmen der knapper werdenden Etats, wird man lediglich in Hinblick auf Marketing und Finanzierung innovativ, aber das Kerngeschäft, das »kulturelle Produkt«, bleibt unberührt. Das führt zu dem von mir schon mehrfach angemerkten Paradox, dass Kulturinstitutionen dort am kreativsten sind, wo ihre Ökonomisierung fortschreitet. Wie gesagt: es sind nicht die kreativen Typen!

Der zweite Punkt hängt damit zusammen: Die künstlerischen Arbeitsläufe sind bei allen Unterschieden im Detail hochgradig standardisiert und routiniert (Theater), teilweise auch überreglementiert (Orchester). Das ist nicht unbedingt ein gedeihliches Klima für die Kunst: »I don’t care about your acht Stunden. Entweder wir arbeiten oder wir arbeiten nicht.« (Leonard Bernstein in einer Probe zu den Wiener Philharmonikern. Vorspulen auf 7:13)


4 Kommentare

beisasse · 1. Mai 2008 um 7:34

ich darf mir deine überschrift als zusammenfassung merken.

CH · 1. Mai 2008 um 9:59

Ja. Oder »I don’t care about your acht Stunden«. Das ist, finde ich, auch ein sehr schöner Satz.

Christian · 1. Mai 2008 um 21:33

Wenn Du Dich auf die Kultureinrichtungen beziehst, die so groß sind, dass man sie nicht einfach zusperrt, dann stimme ich Dir zu. Was ist aber mit der Freien Szene, die hauptsächlich von Projektförderungen lebt? Müssten die nicht ein Interesse daran haben, Ansätze zu finden, die ihnen das Überleben sichern? Oder ist das der Irrglaube, Existenzangst fördere Innovation? Schwierig…

CH · 2. Mai 2008 um 8:10

Ich denke, dass viele innovative Ansätze auch tatsächlich aus der freien Szene kommen, z.B. Rimini Protokoll. Oder der Ansatz Theater mit kulinarischen Erlebnissen zu kombinieren etc. Ich denke, förderlich ist, dass man in der freien Szene nicht derart in Routinen arbeitet, die pure Existenzangst sorgt sicher nicht für gutes Innovationsklima.

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