Viel oder gut – Was kann Social Media?

Veröffentlicht von Christian Holst am

Bei allen Chancen von sozialen Medien (Social Media), die sich durch Offenheit und gleiche Augenhöhe von Sender und Rezipient ergeben, ist die Kommunikation, die sie hervorbringen, oftmals unverbindlich, unkonzentriert, lakonisch, redundant und mitunter leichtfertig. Das Prinzip des Einfach-mal-Machens, das viele der Social Media-Dienste überhaupt erst hervorgebracht hat, obwohl es kein tragfähiges Geschäftsmodell gibt, schlägt auch inhaltlich durch und bestimmt die Kommunikation mittels dieser Dienste. Auch hier gilt der von mir gern zitierte Satz, dass das Medium an den Gedanken mitschreibt. Es wundert daher nicht, dass man in sozialen Medien vor allem pragmatisch ausgerichtete How-to-Anleitungen findet (die durchaus sehr gut sein können!), Tipps, Linksammlungen, Clips oder mal mehr mal weniger unterhaltsame Folienpräsentationen, die ebenfalls zum «einfach mal machen» animieren wollen. Das ist eine spezielle Qualität mit viel Potenzial, keine Frage. Aber lassen sich Social Media-Dienste auch dort, wo man thematisch und inhaltlich tiefer schürfen möchte, sinnvoll einsetzen? Diese Frage ist speziell hinsichtlich der Nutzung von Social Media durch Kultur- und Bildungseinrichtungen spannend, wie mir in einem kürzlichen Beitrag im Kulturmanagement-Blog deutlich wurde. Soziale Medien sind Popularisierungswerkzeuge, die Quantität und Effizienz erzeugen können. Aber eignen sie sich auch für qualitativ hochwertige, effektive Auseinandersetzung mit Kunst, Wissenschaft, Kultur? Wird Wikipedia irgendwann z.B. zitierfähig oder das dacapo-Blog eingefleischte Fans der Duisburger Philharmoniker hervorbringen? Und: soll es das überhaupt?

Kategorien: Kulturarbeit

9 Kommentare

Uschi · 1. Februar 2009 um 9:15

Ich denke schon, dass sie sich in einem gewissen Maße auch für hochwertige Dinge eignen. Ich bin nämlich der Ansicht, dass nicht alles perfekt sein muss und das man auch nicht alles so genau und detailliert beschreiben muss. So braucht man auch nicht immer Seiten, die extrem hoch angesiedelt sich. Ich finde, dass auch einfach Sachen sehr hochwertig sein können. Es ist doch so, dass es einfach die Mischung macht. Und ja Wiki glaube ich wird irgendwann mal zitierfähig. Auf jeden Fall.

Christian Henner-Fehr · 5. Februar 2009 um 15:05

Mit Hilfe der sozialen Medien lassen sich Netzwerke bauen, Gedanken verbreiten, Informationen streuen und vieles mehr. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass es ein Kommunikationskanal ist. Das heißt, ich kann über diesen Kanal so lange es mir und meinen Dialogpartnern Spaß macht, kommunizieren und das auf durchaus hohem Niveau.

In manchen Xing-Gruppen passiert es immer wieder mal, dass dann zweihundert und mehr Beiträge zusammen kommen.

Interessant ist aber die Frage selbst. Würde ich fragen, ob sich das Telefon für so etwas eignet, würde man mich wahrscheinlich etwas merkwürdig anschauen.

Es ist wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit, bis uns eine solche Frage ähnlich merkwürdig vorkommen wird wie beim Telefon. Und eine Frage der Zeit ist es wohl auch, bis Wikipedia zitiert werden kann.

Das dacapo-Blog wird aber nie „eingefleischte Fans“ der Duisburger Philharmoniker hervorbringen. Über das Blog erfahre ich höchstens, dass es sie gibt. Fan werde ich nur durch die Musik.

    CH · 6. Februar 2009 um 9:20

    Beim dacapo-Blog stimme ich dir zu. Die Frage war wohl etwas zu rhetorisch gestellt. 😉 Bei Wikipedia bin ich mir nicht sicher, weil es auf einem grundlegenden Prinzip beruht, das die Qualität der Information zwar wahrscheinlich macht, aber von seiner Struktur her nicht garantieren kann. Jeder Sicherungsmechanismus, den man einbaut, widerspricht der Grundidee der Offenheit und Partizipation. Aber man wird sehen.

    Den Einwand mit dem Telefon sehe ich etwas anders. Denn wer würde bestreiten, dass man bestimmte Dinge besser nicht am Telefon sagt, sondern persönlich?

    Natürlich kann man die Medien so lange nutzen, wie es einem Spaß macht und durchaus auf ordentlichem Niveau. Aber macht es in diesen Medien denn wirklich lange Spaß? Komme ich in einer Xing-Diskussion mit 200 Beiträgen inhaltlich je so weit wie in einer zweistündigen Diskussion? Karl-Heinz Wenzlaff hat vor kurzem über die optimale Länge von Blogbeiträgen geschrieben. Fazit: 100 bis 150 Wörter sind optimal. Das ist nicht gerade viel, der Artikel oben hat schon 213 Wörter. Und das Blog ist in meinen Augen noch eins der sozialen Medien, das mit die längsten, fundiertesten und verbindlichsten Einlassungen erlaubt.

    Danke fürs Lob zum Layout, auch wenn es nicht von mir ist. 😉

Christian Henner-Fehr · 5. Februar 2009 um 15:05

das Layout gefällt mir gut, Christian!

Christian Henner-Fehr · 6. Februar 2009 um 13:30

Hat es nicht auch viel mit Gewohnheiten zu tun, wie ich einen Kanal nutze? Ich habe z.B. während meiner Schulzeit mit einem Freund Schach per Telefon gespielt. Und das stundenlang, denn damals konnte man noch mit einer Einheit unbegrenzt telefonieren. Im Rückblick kommt mir das eher absurd vor, denn beim Schach redet man ja auch nicht unbedingt sehr viel.

Aber es hat trotzdem für uns gepasst. Mag sein, dass es anderen damit anders ergangen wäre. Wahrscheinlich kann man nicht verallgemeinern und sollte das Wort „man“ nicht verwenden.

Mir persönlich ist das schriftliche Formulieren von Gedanken häufig sehr lieb, denn so habe ich die Chance, die Dinge durchzudenken und dann zu formulieren. In Diskussionen vermisse ich häufig diese Tiefgründigkeit und stelle Geschwätzigkeit fest.

Fakt ist, ich nutze Kanäle, die auf der Schrift basieren, sehr gerne, was unter anderem dazu führt, dass meine Blogposts sehr viel länger als die „optimalen“ 100 bis 150 Wörter sind. 🙂

Zum Layout: macht ja nichts, ist trotzdem gut.:-)

CH · 6. Februar 2009 um 14:26

Es hat sicher viel mit Gewohnheiten zu tun und ich würde die Grenzen von Social Media auch nicht absolut setzen. Es geht mir um die Tendenz und so verstehe ich auch den Artikel über die optimale Bloglänge. Im übrigen gibt es keine Medien, die für alles passen, insofern sehe ich es auch nicht als Manko, wenn mit Social Media nicht alles geht, was andere Medien können.

TeriellBlog · 6. Februar 2009 um 11:02

Kunstgruppen in Social Communities?…

“” weiterlesen

……

Kulturblogger › Tweet readings · 25. Februar 2009 um 14:57

[…] ich kürzlich die Frage gestellt habe, ob die kommunikativen Strukturen sozialer Medien das Niveau der […]

Kulturblogger › Das Web: kein Wohlfühlort für Intellektuelle · 28. Mai 2009 um 8:06

[…] habe vor einiger Zeit geschrieben, die Kommunikation im Web 2.0 sei typischerweise «unverbindlich, unkonzentriert, lakonisch, […]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*