Hallelujah! – Der Messias als Weihnachtskonzertklassiker

Veröffentlicht von Christian Holst am

Im Dezember haben nicht nur Aufführungen des Weihnachtsoratoriums Hochkonjunktur, sondern auch von Händels Messias. Dabei kommt die Weihnachtsgeschichte hier nur im ersten Teil vor, der zweite handelt von der Passion und Auferstehung Jesu, der dritte von der Erlösung und der Überwindung des Todes. Der Messias könnte damit ebenso gut Alternativprogramm zu Ostern oder der Trauerzeit Ende November sein. Der letzte Teil basiert textlich zu grösseren Strecken auf Ausschnitten aus dem 1. Korintherbrief, die auch Brahms im sechsten Satz seines Deutschen Requiems vertonte («Tod, wo ist dein Stachel?» usw.). Wie auch immer, traditionell ist der Messias ein beliebtes Weihnachtsstück und es hat auch etwas für sich, schon die gesamte Geschichte in den Blick zu nehmen, die zu Weihnachten erst ihren Anfang nimmt.

Glaubt man Stefan Zweigs rührseliger und nicht gerade authentischer Erzählung «Georg Friedrichs Händels Auferstehung» (Sternstunden der Menschheit), dann war Händel bis zu dem Moment in tiefste Depressionen versunken, bis er die ersten Textzeilen des Librettos las – «Comfort ye my people» – und das gesamte abendfüllende Werk wie in einem Rausch in nur drei Wochen zu Papier brachte:

Das traf ihn zuinnerst. Tröstet! Nur dieses Wort: Schöpfungswort in sein zerschlagenes Leben hinein! Kaum hatte er es gelesen, dieses Wort gespürt, hörte er es als Musik: in Tönen schwebte es, rief es, sang es. Tore öffneten sich in seinem Inneren: – Er fühlte wieder, er hörte wieder.

Literarisch mag das etwas hergeben, wobei man da sicher geteilter Meinung sein kann. In Wirklichkeit entstand der Messias, nach allem was man weiß, wesentlich profaner und das hohe Arbeitstempo legte Händel auch ohne spezielle Erweckungserlebnisse an den Tag, zumal er auf etliche alte Kompositionen zurückgriff. Außerdem ist ja eh nur entscheidend, was hinten rauskommt. Und das ist eine ganze Reihe schöner Ohrwürmer. Mein persönlicher Lieblingsohrwurm aus dem Messias ist die Arie «I know that my Redeemer liveth», die es in einer ausgesprochen schönen Interpretation von Sylvia McNair auf youtube zu sehen und vor allem zu hören gibt. (Leider lässt sich der Clip nicht einbetten.)

Übrigens: Der Berner Kammerchor führt das Werk am 12. und 13. Dezember im Berner Münster auf. Wenn ich nicht terminlich verhindert wäre, würde ich nicht nur hingehen, sondern sogar mitsingen. 🙂


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