Gegen religiöses Rumgeeier

Veröffentlicht von Christian Holst am

Vor einiger Zeit hörte ich bei SWR Leute ein sehr temperamentvolles Interview mit Manfred Lütz, der dort sein Buch Gott – Eine kleine Geschichte des Größten vorstellte. Das war ein wirklich spannendes Interview, also habe ich jetzt das Buch gelesen.

Lütz macht darin einen kleinen, urteilsfreudigen Parforceritt durch die Geistesgeschichte, immer unter dem Blickwinkel, was die Menschen wann und warum über Gott gedacht haben. Das ist oftmals hochinteressant und lehrreich und was er sagt, fand ich inhaltlich fast immer sinnvoll und überzeugend. Etwas anstrengend ist auf Dauer allerdings der betont rotzige Stil, den Lütz im Nachwort selbstzufrieden als »hemdsärmelig« bezeichnet, genauso wie die scheinbare Belesenheit, die Lütz allzu gern zur Schau trägt. Wie es um die tatsächlich steht, fragt man sich allerdings an mancher Stelle, wo die Argumentation all zu windig wird. Zum Beispiel, als Lütz die Quantentheorie kurzerhand erkenntnistheoretisch vereinnahmt und zum argumentativen Super-GAU der Atheisten hochstilisiert und wenige Seiten später die erkenntnistheoretische Interpretation neuerer Hirnforschung mit ein paar ungnädigen Worten vom Tisch fegt.

Das letzte Drittel ist so eine Art wortreiche Werbebroschüre für die katholische Kirche, die nach Lütz viel besser ist als ihr Ruf. Wer das nicht so sieht, wird hier vermutlich ein Problem haben, ich habe mich bloß gefragt, was das jetzt noch mit dem eigentlichen Thema zu tun hat. Alles in allem hat es aber Spaß gemacht, das Buch zu lesen und mir eine ganze Reihe Anstöße gegeben. Denn das Buch ist auch ein klares Plädoyer gegen religiöses und spirituelles Herumgeeier.


1 Kommentar

UMTS USB Stick · 27. Januar 2009 um 13:13

Was genau meinst Du denn mit spirituellem Rumgeeier? Meinst Du, dass das Buch nicht auf die Eso-Shciene setzt oder was?

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