Beethoven groovt

Veröffentlicht von Christian Holst am

Ich finde es sehr traurig, dass es eine Barriere gibt zwischen der klassischen Musik und dem, was junge Leute hören.

klagt Paavo Järvi, Chefdirigent des HR-Sinfonieorchesters, und hat deswegen das Music Discovery Project ins Leben gerufen. Ich persönlich vermute zwar, dass die Barriere z.B. zwischen Techno und Heavy Metal sehr viel größer ist als die zwischen Klassik und Pop, aber das soll hier mal dahingestellt bleiben.

Järvi jedenfalls hat im Rahmen dieses Music Discovery Projects mit dem Musikproduzenten Mousse T. zusammen ein Programm konzipiert mit dem Titel A Taste of Beethovens 5th. Dieser Titel trifft es recht gut. Ich finde, diese Stücke mit den Beethoven-Samples sind originell und gut gemacht. Auch die Idee, das ganze um nicht-musikalische »Performances« zu (Tanz, Video) erweitern, ist nicht schlecht. Auf jeden Fall macht es Spaß, sich die Aufzeichnung des Konzerts anzugucken. Damit ist ja schonmal viel gewonnen.

Mir ist allerdings die musikpädagogische Strategie nicht so ganz deutlich. Möchte man auf diese Weise mittelfristig dahin kommen, dass Mousse T.-Fans in ganz normale Sinfoniekonzerte gehen, wo Beethoven dann nicht mehr so groovt? Ich bezweifle, dass dieser Plan aufgeht. Oder reicht es dem Orchester, junge Leute zu erreichen, indem es Klassik-Versatzstücke zu Musik beisteuert, die diese eigentlich hören wollen? Das kann auch nicht der Anspruch eines Kulturorchesters sein.

Nachtrag, 18.2.: In der FR gab es heute eine Besprechung zu dem Event mit etwa gleichen Erkenntnissen.


3 Kommentare

Christian · 17. Februar 2008 um 20:41

Als in den 70er Jahren Jon Lord, Gary Brooker oder auch Eberhard Schöner versuchten, Rock und Klassik zu verbinden, hat mir das irgendwie besser gefallen. Und selbst ELO hat mir mit dem Versuch, Beethovens 5 zu „nutzen“, mehr Spaß bereitet.

Ich weiß auch nicht, ob es in dieser Hinsicht eine „musikpädagogische Strategie“, wie Du schreibst, überhaupt geben kann. Entweder die MusikerInnen haben das feeling odewr sie haben es nicht. Und wenn sie es haben, dann muss man sich über alles andere keine Gedanken machen.

So und jetzt zeihe meine alten Deep Purple Platten raus, die konnten nämlich ganz schön klassisch sein. 😉

CH · 17. Februar 2008 um 22:04

Das stimmt. Rocker haben insgesamt wenig Berührungsängste, was Klassik angeht, so scheint es mir. Die frühen Deep Purple-Sachen sind ein gutes Beispiel. Yngwie Malmsteen ist extrem durch Bach geprägt, Manowar berufen sich gern auf Wagner als Erfinder des Heavy Metal (was auch immer man von diesem Statement halten soll…!?!), Metallica, die Scorpions, Steve Vai u.v.a. haben Platten mit Orchestern zusammen gemacht. Wie gesagt, die Barrieren sind gar nicht so groß.
Einzig sinnvolle musikpädagogische Strategie ist in meinen Augen, dass Mit- und Selber-machen-Lassen, wie bei dem legendären Rhythm-Is-It-Projekt von Rattle und den Berliner Philharmonikern.

Engel 7 · 26. Februar 2008 um 23:36

Neulich hatte ich auch eine Interessante Diskussion das mir Pink Floyd den Weg zu Wagner ebnete. Besonders in „the Wall“, als Gesamtkunstwerk, finde ich auch Ansätze von Leitmotiven. Auch die Technik, kaskadierende, Stimmung (Echos) aufzubauen finde ich bei beiden. Wobei seine Musik, bis heute ein unerreichter, Quantensprung ist. Das RW jetzt auch noch als Wegbereiter der Metaller dienen soll ehrt Ihn, besonders in diesen Kreisen, ist aber in diesen Fall wohl mehr ein zu bedienendes Klische. Wie natürlich auch die allseits populären, von Hans Dampf und Lieschen Müller gerne gekauften, Classic meets …..

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