Das Rheingold III: In Hamburg nichts Neues

Veröffentlicht von Christian Holst am

Hamburger Ring Vielleicht erschließt sich das im vorangegangen Eintrag erwähnte Sensationelle am Stuttgarter Rheingold nicht absolut, aber relativ zu anderen Inszenierungen, zum Beispiel der, die kürzlich an der Hamburgischen Staatsoper herausgekommen ist (unter diesem Link gibt es auch ein Video, das einen ganz guten Einblick in die Inszenierung gewährt). Denn was Claus Guth und sein Bühnenbildner abliefern ist souveräne, routinierte, heutige, im Ergebnis überraschungsfreie Regietheater-»Lesart«. Hier ein paar Beispiele:

Anders als bei Wagner ist die Welt schon am Anfang nicht in Ordnung. Die Rheintöchter leben nicht im Rhein, sondern in einem überdimensionalen Bett, das durch eine Flutkatastrophe auf ein überdimensionales Fenstersims gespült wurde und dort nun festhängt. Abgesehen davon krankt die erste Szene daran, dass die Rheintöchter viel zu harmlos und albern sind, als dass man Alberichs folgenreichen Fluch nachvollziehen könnte. Da ist die Stuttgarter Inszenierung gerade in dieser Szene sehr viel sinnfälliger. Die Götter sind als biedere, etwas debile Weicheier dargestellt, bei denen man sich fragen muss, wie die es zur Weltherrschaft gebracht haben sollen. Loge hingegen ist ein launiger Taschentrickspieler, was seiner Figur freilich ebensowenig gerecht wird, da er nicht durch Tricks die Fäden in der Handlung zieht, sondern weil er intelligenzmäßig überlegen ist. Fasolt und Fafner entsprechen da noch am ehesten Wagners Intentionen, denn als goldkettchenbehängte Vokuhila-Träger kommen sie durchaus respekteinflößend rüber.

Die Bergeshöhen der zweiten und vierten Szene sind übrigens eine Dachbodenkammer, in der sich beständig ein Modell der frisch gebauten Burg dreht. Nibelheim liegt folgerichtig im Heizungskeller, das allerdings nicht über einen Fahrstuhl erreicht wird, sondern hinter geschlossenem Vorhang eingerichtet wird. Dabei wusste Wagner schon, warum er die Verwandlungen auf offener Bühne haben wollte: Der geschlossene Vorhang wurde vom Publikum dankbar als Pause für ausgiebiges Husten ausgelegt.


1 Kommentar

Die Walküre in Hamburg: »Man ist begeistert.« - Kulturblogger · 10. November 2008 um 18:35

[…] hat, nachdem es über längere Zeit eher im soliden Mittelmaß anzusiedeln war. Da bereits das Rheingold musikalisch ausgezeichnet war, schien auch die gestrige Orchesterleistung kein Zufall zu sein. […]

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