Mit Enthusiasmus und Selbstironie gegen die Klassik-Filterblase

Steven Walter hat im Blog des Podium Festivals gerade ein paar interessante Gedanken zur Selbstbezogenheit der Klassikszene aufgeschrieben. Das Problem der sog. Filterblasen (eigentlich ein neues Wort für «Elfenbeinturm»), in denen man sich permanent seiner eigenen Meinung versichert, ist natürlich in allen gesellschaftlichen Bereichen anzutreffen. Insbesondere der Politik, wo Meinungen, die mit der eigenen nicht kompatibel sind, solange es geht ausgeblendet oder – falls das nicht mehr möglich ist – skandalisiert werden. Wer eine typische Karriere in der Welt der klassischen Musik durchläuft, lernt nicht nur ein Instrument zu spielen, sondern bekommt auch ein bestimmtes «Mindset» mit auf den Weg. Mehr…

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Rückblick auf das stARTcamp Bern

Bild stART ContainerAm vergangenen Montag fand das zweite Schweizer stARTcamp statt, diesmal im Alpinen Museum in Bern. Auch an dieser Stelle noch einmal vielen Dank, dass wir die Räumlichkeiten nutzen durften. Wie im vergangenen Jahr waren um die 50 Personen da, in meinen Augen eine ideale stARTcamp-Größe. Relativ bescheiden war diesmal das Sessionangebot mit nur neun Angeboten. Das darf und solle sich bei zukünftigen stARTcamps noch ändern. Mehr…

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Der Eisberg Angebotsorientierung

Axel Kopp hat gerade 10 Online-Marketing-Tipps für Theater in seinem Blog veröffentlicht. Tipp 2 – eine Chat-Funktion, die auf der Website eingebunden wird – gefällt mir sehr gut, weil das ein besucherorientierter Service wäre, der die Conversions auf der Website wahrscheinlich ziemlich befeuern würde. Ebenfalls sehr besucherorientiert ist der Vorschlag, die Stücke zu verschlagworten, um dem Publikum ein paar Anhaltspunkte zu geben, was es zu erwarten hat. Aber Axel ahnt schon, dass so etwas einen großen Aufschrei seitens der Künstler zur Folge hätte.

Und dieser vermutete Aufschrei ist nur die Spitze des Eisberges namens «angebotsorientierte Denkhaltung». Die besteht plakativ gesprochen darin, irgendwas zu machen, was man selbst gut findet und sich dann auf die Freiheit der Kunst zu berufen, wenn andere es nicht genauso gut finden. Ein besonders anschauliches Beispiel dieser Denke begegnete mir neulich in einem Kommentar des Regisseurs Marcus Lobbe zu einem nachtkritik.de-Artikel:

Wir sind Künstler und machen Kunst, und nach §5,3 des GG müssen wir gar nichts müssen. Wir können und dürfen, müssen müsssen (sic!) wir nur, was wir für relevant, wichtig und richtig halten.

Das strotzt natürlich von ziemlicher Ahnungsloskeit. Erstens zielt dieser Grundgesetz-Artikel darauf, die Kunst vor staatlicher, politischer Einflussnahme zu schützen. Dieser Artikel garantiert weder Geld, noch hält er Kunst frei davon, einen gesellschaftlichen Zweck erfüllen zu sollen, wenn denn Geld fließt. (Bei der ebenfalls erwähnten Forschung und Lehre leuchtet das sofort ein.) In den Verfassungen der Länder gibt es dann in der Regel eine Verpflichtung des Staates zur Förderung von Kunst, Kultur und Bildung. Hier geht es also zwar um Geld, allerdings ist ganz allgemein von Kunst und Kultur die Rede, nicht im Speziellen von Theatern. Zweitens dürfte diese Haltung ein wesentlicher Grund dafür sein, dass die Besuchszahlen der öffentlichen Theater seit 20 Jahren erodieren, im Schauspiel besonders krass (Quelle, S. 15). Weniger Publikum heißt auf mittlere Sicht auch sinkende Legitimation der öffentlichen Finanzierung. Und Art 5, Abs. 3 des GG sagt nicht, dass die Finanzierung der deutschen Theater bis in alle Ewigkeit festgeschrieben ist. Letztlich sägen die Künstler mit einer solch angebotsorientierten Haltung, wie sie in dem Zitat zum Ausdruck kommt, also an dem Ast, auf dem sie sitzen.

Aber was stattdessen? Immer sehr lesenswert zu diesem Thema finde ich das Blog von Trevor O’Donnell, einem amerikanischen Kulturmarketing-Experten. Er kann sich wunderbar über das selbstbezogene, angebotszentrierte Marketing von Kultureinrichtungen aufregen, das sich immer nur darum dreht, wie wichtig, richtig und großartig die Häuser sich und ihr eigenes Tun finden. In O’Donnells Augen sollte es stattdessen um Folgendes gehen:

Learn what your customers want and then use that information to show how your products will satisfy their yearnings.

Interessant an dieser Formulierung finde ich, dass es nicht einfach darum geht, die angebotsorientierte Haltung durch eine nachfrageorientierte zu ersetzen und dem Publikum anzubieten, was es explizit verlangt. Die Kunst bleibt frei. Aber es geht darum, zu verstehen, warum die (potenziellen) Besucher ins Theater kommen. Und – jetzt bitte stark sein, lieber Marcus Lobbe – der Regisseur ist meist nicht der Grund. Überhaupt ist die Auseinandersetzung mit einem Kunstwerk nur ein Grund unter vielen – üblicherweise ein wichtiger, aber meist auch nicht so wichtig, wie die Einrichtungen meinen. Die Gründe, warum Leute kommen oder nicht, sollte man kennen. Und dann geht es darum, den potenziellen Besuchern zu zeigen, wo die Schnittmengen sind, zwischen ihrer Motivation, einen Abend im Theater zu verbringen und dem, was das Theater im Angebot hat.

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stARTconference-Blogparade: Kultur an der real-digitalen Schnittstelle

Heute startet die stARTconference-Blogparade zum Thema «Kultur an der real-digitalen Schnittstelle». Sie findet parallel und zu den gleichen Dachthema der fünf stARTcamps statt, die in den kommenden zwei Wochen in Wolfsburg, Bonn, Bern, Essen und Wien über die Bühne gehen. Die Blogparade startet heute und läuft bis zum 7. Dezember. Die besten Beiträge sowie ggf. Dokumentationen der stARTcamps werden wir als eBook veröffentlichen.

Wie schon vor ein paar Wochen geschrieben, glauben wir, dass wir momentan gerade wieder einen Quantensprung in der Nutzung von digitalen Medien erleben: die reale und die digitale Welt verschmelzen immer mehr. Digitale Technologien erweitern somit die Möglichkeiten zur zielgenauen Kommunikation mit Besuchern, z.B. durch Apps oder Near Field Communication (NFC), und schaffen neue Erlebnisdimensionen der Kulturrezeption, z.B. durch Virtual oder Augmented Reality. Welche Chancen und Risiken das für Kultureinrichtungen mit sich bringt, welche Technologien hier angewendet werden können, welche Ideen, Konzepte und Ansätze bestehen und vielleicht sogar schon ausprobiert werden, soll in der Blogparade beleuchtet werden. Wir sind gespannt auf eure Beiträge! Vielen Dank fürs Mitmachen und Weitersagen!

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Männerschwerpunkt beim Lucerne Festival 2017

Magazin Lucerne Festival
Vor kurzem schrieb ich über den viel gelobten diesjährigen Frauenschwerpunkt des Lucerne Festivals. Allem Anschein nach folgt 2017 nun im Sinne der Gleichbehandlung ein Männerschwerpunkt. Am Oster- und am Sommerfestival des nächsten Jahres tritt jeweils nur eine Dirigentin auf. Bei den Komponisten war man sogar noch etwas konsequenter: Komponistinnen kommen – soweit ich das auf die Schnelle feststellen konnte – gar nicht vor, nicht mal bei der Lucerne Festival Academy. Künstlerische Erwägungen haben bei den Engagements und der Programmplanung vermutlich keine größere Rolle gespielt.

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Vortrag auf Jahrestagung des Fachverbands Kulturmanagement

Vom 19.- bis 21. Januar findet in Weimar die Jahrestagung des Fachverbands Kulturmanagement statt. Die Ausgangsthese der Konferenz ist, dass Kultureinrichtungen immer noch alten, angebotsorientierten Denkmustern verhaftet sind, die den Anforderungen einer dynamischen, digitalen, globalisierten Gesellschaft nicht mehr gerecht werden.

Statt weiter auf Besitzstandswahrung zu setzen und in tradierten Strukturen zu verharren, möchte die 10. Jahrestagung in Weimar das Feld der kulturellen Praxis öffnen und die zentralen Herausforderungen diskutieren, vor denen Kultursystem und Kulturinstitutionen in der Gesellschaft stehen. Hierzu gehören sowohl wettbewerbsrelevante Veränderungen im Kulturbereich, Wertewandel und Steuerungsveränderungen, Angebots- und Nachfragediversifizierung als auch Herausforderungen der (juristischen) Kulturpraxis zwischen Transnationalisierung, staatlicher Protektion und einem sich erweiternden Kunstfeld.

Wichtiges, spannendes Thema also. Ich freue mich, dass ich mit einem Input zum Thema «Unternehmertum als Katalysator künstlerischer Innovation» etwas zum Programm beisteuern darf. In dem Vortrag werde ich die Erkenntnisse meines Büchleins «Kultur unternehmen» aufgreifen.

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Snapchat oder lieber gleich Chatbot?

Neulich schrieb ich darüber, dass Instagram sich langsam zu einem ernst zunehmenden Marketingtool entwickelt. Das hat ein bisschen mit verbesserten Features von Instagram zu tun, vor allem aber mit den Anbindungsmöglichkeiten an den Facebook-Werbeanzeigenmanager. Jetzt schreibt Juana Zimmermann in der Neuen Musikzeitung über die Einsatzmöglichkeiten von Snapchat im Kulturbereich und ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass Snapchat ziemlich genau das gleiche Problem hat, wie Instagram bis vor kurzem. Besser gesagt, Kultureinrichtungen haben dieses Problem, denn sie können und werden sich in der Regel nicht bei Snapchat Discover einkaufen. Die Customer Journey hört also auf, bevor sie überhaupt begonnen hat, man muss sich in seiner Snapchat-Filterbubble selbst genügen. Zimmermann schickt daher auch gleich vorweg, dass Snapchat die Möglichkeit bietet,

etwas zu zeigen, was neben (Hervorhebung durch CH) der Standard-Marketing-Strategie liegt. Der Beleuchter könnte einen Tag lang seinen Arbeitsablauf dokumentieren, die Hospitantin von ihren Erlebnissen berichten. Die kleinen Schritte der Prozesse statt großer Ergebnisse werden sichtbar.

Das wiederum ist aber keine besondere Leistung von Snapchat, das geht auch mit Blogs, Twitter und eben Instagram und war genau die Begründung, mit der man jeweils vor 8, 6 bzw. 2 Jahren dort eingestiegen ist. Snapchat ist – wie Zimmermann schreibt – eher ein Messenger als ein Netzwerk. Allerdings (noch) keiner, der wie der Facebook Messenger die Einbindung von Chatbots erlaubt. Also, warum nicht den Snapchat-Hype überspringen und gleich in das Thema Chatbots einsteigen? Die sind nämlich nicht nur der neue heiße Scheiß, sondern auch kompatibel mit einer bezahlbaren Standard-Marketing-Strategie, die den Besucher aus der Filterbubble seines bevorzugten Social Media-Tools holt und auf eine Reise mitnimmt, die in einem kulturellen Erlebnis kulminiert.

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Nochmal stARTcamp Schweiz

Vor kurzem habe ich bereits über das Schweizer stARTcamp am 21. November geschrieben, bin dann aber schnell zu unseren Überlegungen zum #neustART der stARTconference abgeschweift. Deswegen also noch einmal etwas zum Inhalt des Schweizer Camps. Das Thema lautet «Der digital erweiterte Kulturraum», mit einem Schwerpunkt auf Contentstrategien und Storytelling. Es wird also um Fragen gehen a la: Wie erzählt man mit digitalen und mobilen Medien?, wie vermittelt man und weckt man Neugier auf die Kunst?, welche Möglichkeiten der Interaktion und Partizipation gibt es?, wie kann man den virtuellen Raum mit Inhalten bespielen?, welche Skills braucht es?, welche Strategien gibt es?, wie kann man mit Grenzen und Risiken umgehen?

Ich selbst werde eine Session mit dem Titel Moving picture moving audience anbieten, wo ich ein kleines Forschungsprojekt vorstelle, an dem ich gerade für das Institut für Designforschung (ZHdK) arbeite. Bei dem Projekt haben wir Zürcher Kultureinrichtungen befragt, wie sie Bewegtbild in ihrer Kommunikation einsetzen. Die Idee ist, aus der Praxis der Kultureinrichtungen abzuleiten, welche Ansätze und Konzepte gut funktionieren. Das Problem mit Ansätzen aus der Beraterpraxis ist ja oftmals, dass sie sehr generisch sind und/oder an der Realität der Kultureinrichtungen vorbeigehen. Die erste Befragungsrunde ist gerade abgeschlossen, in den kommenden Wochen folgen noch ein paar vertiefende Interviews, so dass ich beim stARTcamp dann werde sagen können, was dabei herausgekommen ist.

Außerdem wird im Rahmen des Schweizer stARTcamps auch der neue Leitfaden Social Media für Museen II – Das digital erweiterte Museum vorgestellt. Dieser Leitfaden wurde unter Federführung von Axel Vogelsang an der Hochschule Luzern, Design / Kunst erarbeitet. Den ersten Band kann man übrigens immer noch kostenlos als PDF bezehen. Wer sich also dafür interessiert ist herzlich eingeladen, im Anschluss an das Camp zum Apero (für deutsche Leser: Empfang) im Café Pavillon des Museums für Kommunikation zu kommen. Ein gedrucktes Exemplar (Limited Edition!) des Leitfadens ist für die Camp-Teilnehmer übrigens im Eintrittspreis inklusive!

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PR-Gag «Opernhaus des Jahres»

Auf der Website Opernnetz hat deren Chefredakteur Michael Zerban einen Kommentar verfasst, in dem er mit die jährliche Kritikerumfrage der Opernwelt und die daraus resultierenden Auszeichnung von Opernhaus, Sänger, Regisseur etc. des Jahres auseinander nimmt. In seinen Augen handelt es sich um einen PR-Gag eines kleinen Fachmagazins:

Die Opernwelt existiert seit 1960 und hat ihre besten Zeiten längst gesehen. Heute vegetiert sie nach eigenen Angaben mit einer Auflage von 10.000 Exemplaren monatlich dahin – nicht IVW-geprüft, Tendenz fallend. (…) Aber einmal im Jahr ist ihr Name in vieler Munde. Nämlich dann, wenn sie unter anderem das «Opernhaus des Jahres» kürt.

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2. stARTcamp Schweiz am 21. November in Bern

Keyvisual des stARTcamp Bern
Am 21. November 2016 findet im Alpinen Museum in Bern das 2. Schweizer stARTcamp statt. Ich habe die Freude, es wieder gemeinsam mit Axel Vogelsang, Roger Aeschbach und Daniele Turini vorzubereiten. Tickets sind ab sofort erhältlich. Die ersten 20 Tickets gibt es mit einem Rabatt von 30%. Am besten also schnell zuschlagen. Das stARTcamp in Bern ist aber nicht nur einfach das zweite Schweizer stARTcamp. Es ist zugleich Teil der stARTconference 2016. Mehr…

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