Das Rheingold II: Das Stuttgarter Rheingold

Veröffentlicht von Christian Holst am

Stuttgarter RheintöchterIn nahezu jeder Hinsicht ein Gegenteil zum Rheingold-Film von Karajan ist die Inszenierung von Joachim Schlömer aus dem viel diskutierten Stuttgarter Ring. Die Personenregie ist um ein vielfaches lebendiger und schildert sehr viel genauer (oder überhaupt) die emotionalen Zustände und die Konflikte zwischen den handelnden Personen. Man versteht, warum Alberich nach der Demütigung durch die Rheintöchter das Rheingold entwendet, man merkt, dass es einen Konflikt zwischen den Riesen und den Göttern und zwischen Wotan und Fricka usw. gibt. Die Personen agieren tatsächlich so menschlich, wie es bei Wagner angelegt ist. Wo bei Karajan praktisch jede schauspielerische Aktion fehlt, wird in dieser Inszenierung allerdings nicht selten mit dem kleinen Repertoire einschlägiger Operngestik überperformt, was unterm Strich genauso wenig glaubwürdig, nur nicht ganz so langweilig ist.

Am wenigsten funktionieren in der Stuttgarter Inszenierung die eigentlich filmisch konzipierten Verwandlungen, die die Stärke der Karajan-Inszenierung sind. Schlömer und sein Bühnenbildner machen hier den Fehler, Wagners Anweisungen nicht ernst zu nehmen und lassen in einem Einheitsbühnenbild spielen, so dass es gar keine echten Verwandlungen gibt. Gerade ihr Fehlen macht aber deutlich, dass sie nicht bloß dekorative, sondern tatsächlich dramaturgische Funktion haben, indem sie die Handlung gliedern und den hyperrealen Charakter der Albenwelten verdeutlichen.

Alles in allem sicher eine ordentliche Inszenierung, aber was das Sensationelle an dem Stuttgarter Ring sein soll hat sich mir durch diese Oper nicht erschlossen.


1 Kommentar

Das Rheingold III: In Hamburg nichts Neues | Kulturblogger · 26. März 2008 um 22:00

[…] 24.3.: Das Rheingold II: Das Stuttgarter Rheingold […]

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