Ruhm = Qualität?

Veröffentlicht von Christian Holst am

Die ZEIT beschäftigte sich im Feuilleton der letzten Ausgabe mit Starkult, auch und gerade im Kulturbetrieb. »Ruhm ist das wichtigste Gut im Kulturbetrieb« heißt es in einem Artikel. Und weil Ruhm im Showgeschäft (und im Kulturbetrieb) das ist, was die Marke im Konsumgüterbereich ist, sind alle scharf darauf. Je mehr der klassische Kulturbetrieb aus seiner Nische tritt, umso mehr ersetzt der Ruhm der Akteure die Kennerschaft beim Rezipienten und muss die Qualität bezeugen. Anna Netrebko, die imho sängerisch nicht so herausragend ist, wie ihr Ruhm suggeriert, ist ein gutes Beispiel für diese Entwicklung.

Dass das einem Frankfurter-Schule-Jünger wie Klaus Zehelein mächtig gegen den Strich geht, ist klar. Es ist erstaunlich, wie er auf der kulturellen Überlegenheit der »seriösen Kunst« und damit auf der Unterscheidung zwischen »echter« Kunst und »Konsumkunst« beharrt. Das wird in diesem (nichtsdestotrotz schönen) Zitat deutlich:

Als Paulus in Athen war, hat er Marktraffinesse bewiesen. Er wies die Athener darauf hin, dass sie zahlreiche Altäre für verschiedene Götter hätten, auch einen Altar für den unbekannten gott. Den hat Paulus marketingmäßig durch seinen Gott besetzt. Das ist der Erfolg des Evangeliums und der Erfolg der sogenannten seriösen Kunst in der Popularkultur.


5 Kommentare

Christian · 4. August 2008 um 13:40

Und auch Zehelein glaubt, dass eine hohe Besucherzahl automatisch bedeutet, dass die Qualität niedrig ist. Deshalb wird kritisiert, wer in dieser Hinsicht erfolgreich ist. Mittlerweile finde ich diese Argumentation einfach nur noch langweilig.

CH · 4. August 2008 um 16:35

Ja, der saß halt noch richtig bei Adorno in den Vorlesungen. Da kannste nix machen. 🙂 Paradoxerweise wird mit dieser Haltung ja auch noch die Legende vom unverstandenen Künstlergenie tradiert, obwohl gerade Theaterleute ja alles andere aus dem 19. Jahrhundert unter generellen Kitschverdacht stellen.

Christian · 4. August 2008 um 18:36

Sag, wieso bist Du eigentlich so schlecht auf das Theater zu sprechen? Vom unverstandenen Künstlergenie ist ja in anderen Sparten auch die Rede. 🙂

CH · 4. August 2008 um 21:00

Das ist richtig, aber Zehelein ist nunmal Theatermann, deswegen war mein Kommentar auf das Theater gemünzt. Ansonsten verbindet mich einfach eine leidenschaftliche Hassliebe mit dem Theater. 🙂

Mozart-Hass-Zitate - Kulturblogger · 5. August 2008 um 21:45

[…] finden alle gut. Unter den Vorzeichen, dass Ruhm Kennerschaft verüberflüssigt, muss er einem direkt suspekt werden (S. in diesem Zusammenhang […]

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