Gründer der Liedergalerie wirft das Handtuch

Veröffentlicht von Christian Holst am

Vor einiger Zeit habe ich die Hamburger Liedergalerie als Best practice für beherztes Kulturunternehmertum vorgestellt. Was der Gründer Thomas Franke dort aufgebaut hat, dem gebührt wirklich großer Respekt. Jetzt gibt er entnervt auf und verlegt seine Aktivitäten ins Ausland. Dieser Schritt ist ebenso schade wie verständlich. Auf seiner Homepage destimo.de legt er ausführlich dar, was ihn zu diesem Schritt bewogen hat: kurz gesagt die fehlende Unterstützung durch die Kulturpolitik, die ihm aus (allerdings plausiblen) haushaltsrechtlichen Gründen die Förderung verweigert. Auch wenn diese Entscheidung der Kulturpolitik nachvollziehbar ist, ist es doch kein Wunder, wenn nach jahrelangem Engagement dann nur noch Frust bei den Kulturschaffenden übrigbleibt.

Ohne dass ich die Situation im Einzelnen kenne, scheint mir das Dilemma hier ein ganz typisches Problem öffentlicher Projektförderung zu sein: Die künstlerischen Ideen müssen zur Förderung passen, damit diese gewährt wird, nicht umgekehrt. Wer öffentliches Geld möchte, muss sich den Förderkriterien unterwerfen und einen eigenen kleinen Apparat beschäftigen, der die Erarbeitung dieser Kritierien, die Anpassung der Projektidee und die Einhaltung überwacht. Das führt dazu, dass die Ideen auf die Förderkriterien zurechtgestutzt werden und an deren Grenzen ihre eigenen finden. So behindert die Förderbürokratie die freie, kulturunternehmerische, kreative Entwicklung von Ideen, anstatt zu ihrer Realisierung beizutragen. Gerade innovativen Projekten wird es auf diese Weise schwer gemacht, an Geld zu kommen, denn es liegt in der Natur der Sache, dass sie dem Vorstellungsvermögen von Kulturbeamten und Förderverordnungen voraus sind. Nun geht es bei der Vergabe von öffentlichen Geldern natürlich nicht ohne eine gewisse Bürokratie, die überwacht, ob das Geld im Sinne der Steuerzahler und der kulturpolitischen Zielsetzungen verwendet wird. Die Kulturbehörde hat nicht die Möglichkeit, mit der Willkürlichkeit eines «Business Angels» in überzeugende Kulturprojekte zu investieren. Insofern frage ich mich, wie man dem Dilemma entkommt, Kulturförderung einerseits mit der Freiheit und dem unternehmerischen Geist eines «Business Angels» ausstatten zu wollen, sie andererseits aber freizuhalten von deren Renditeerwartungen. Denn Kulturprojekte werden sich in den seltensten Fällen so rentieren, wie es beispielsweise für ein Software-Startup in Aussicht steht.

Ich könnte mir vorstellen, dass Crowdfunding-Mechanismen nach dem Vorbild von z.B. sellaband.de oder kachingle.com auch in der Offline-Welt als Vorbild für neue Finanzierungsmodelle herhalten könnten. Mir jedenfalls scheint, dass man die Energie, den Frust und die Nerven, die man in die Beantragung öffentlicher Fördergelder stecken muss, lieber in die Entwicklung solcher neuen Ansätze stecken sollte.


2 Kommentare

Christian Henner-Fehr · 12. Dezember 2009 um 23:55

sag ich doch schon die ganze Zeit. Statt sich über nicht genehmigte Förderanträge zu ärgern, sollte man seine Energie lieber in neue kreative Ansätze stecken.

Christian Holst · 13. Dezember 2009 um 0:56

Ja, ich wollt’s aber auch noch mal sagen. 😉

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