Tweetups im Theater: #Hexenhatz

Veröffentlicht von Christian Holst am

Für die Blogparade «Digital im Theatersaal» von livekritik.de, die sich mit dem Sinn und Unsinn von Tweetups in Theatern beschäftigte, bin ich zu spät dran. Da ich aber am vergangenen Montag die Gelegenheit hatte, erstmals vor Ort an einem Tweetup teilzunehmen, will ich das Thema hier doch aufgreifen. Das Tweetup fand im Rahmen der Generalprobe von «Hexenhatz» statt, der neusten Tanzproduktion des Berner Stadttheaters. Caspar Lösche, der die Social Media-Begleitung zu Hexenhatz konzipiert, organisiert und beim Startcamp München präsentiert hatte, hatte eine Handvoll Leute eingeladen, die Probe twitternd zu begleiten. Das Event war hervorragend vorbereitet und durchgeführt: mit einer Einführung durch Caspar und die Choreografin Cathy Marston und einem kurzen Austausch mit zwischen Twitterern und zwei Tänzern aus der Kompagnie nach der Probe.

Nun mag es daran gelegen haben, dass Männer ja bekanntermassen nicht multitaskingfähig sind, aber ich muss gestehen, dass ich von der Aufführung keinen allzu starken Eindruck bekommen habe. Ich war viel zu beschäftigt, zu twittern oder zu lesen, was die anderen Teilnehmer twitterten. Anders als in einem Museum mit unbeweglichen Objekten, ist eine Theateraufführung flüchtig. Man hat hier nicht die Möglichkeit, ein zweites und drittes Mal hinzuschauen, wenn man einen Schlüsselmoment nur aus dem Augenwinkel mitbekommen hat. Für mich muss ich daher sagen, dass die Aufführung damit keine faire Chance hatte, einen Sog zu entwickeln und mich wirklich in den Bann zu ziehen.

Im Rahmen der Überlegungen, auch einmal ein Tweetup am Opernhaus zu veranstalten, glaube ich daher, dass Veranstaltungen. die mehr Event- als Kunstcharakter haben es Twitterern grundsätzlich etwas leichter machen. Bei Events wie zum Beispiel Preisverleihungen oder Panels ist es nicht in gleicher Weise entscheidend, alles mitzubekommen und auch scheinbare Details genau wahrzunehmen. Entweder, weil die Veranstaltung eine vorhersehbarere Dramaturgie hat oder weil die wichtigen Thesen später ohnehin auf Slideshare noch einmal nachzulesen sind.

Trotzdem ist es gut, mit solchen Formaten zu experimentieren, denn nur so entstehen Erfahrungswerte. Grosser Dank gilt daher Cathy Marston für die Aufgeschlossenheit, ihre Probe für solch ein Experiment zu öffnen. Und natürlich Caspar für ein gut gemachtes Tweetup und den technischen und inhaltlichen Einblick in die Konzeption des Projekts.

Nachtrag vom 26. April 13: Inzwischen hat auch Caspar ein Resümee zum tweetup veröffentlicht. Die Einführung vor dem Tweetup – an dem ich nicht teilnehmen konnte- war offenbar eine gute Sache, denn die anderen Teilnehmer hatten offenbar nicht den Eindruck, dass sie aufgrund der Twitterei sich nicht auf das Stück einlassen konnten. Man würde schliesslich seit fünf Jahren so fernsehen. Aber eben: ich möchte doch ein großes Fragezeichen dahinter machen, ob man die Aufführung eines stark abstrahierten Handlungsballetts/tanzes mit dem gleichen Konzentrationsaufwand wirklich erfassen kann, wie einen Tatort, der solide gemachte Unterhaltung von der Stange ist, oder eine Fussballübertragung, bei der jede Schlüsselszene fünf Mal in Wiederholung und Zeitlupe gezeigt wird.


2 Kommentare

Steffen Peschel · 25. April 2013 um 22:36

Danke fürs Festhalten. Ist ein guter Punkt.

Newsletter 8. Mai 2013 | kulturimweb.net · 30. Januar 2014 um 14:45

[…] Christian Holsts Eindruck von der Probe des Tanztheaters “Hexenhatz” bleibt flüchtig. Zu sehr war er mit Hashtags und twittern beschäftigt, als dass die Produktion einen Sog hätte entfalten können. kulturblog.net […]

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