Fluchtweg in die politische Korrektheit

Veröffentlicht von Christian Holst am

Weil die Frage aufkam: Wenn die Schweizer Handy meinen, sagen sie »Natel«. Das ist das Mobilfunk-Angebot der Swisscom, dem schweizerischen Pendant zur Telekom. Da es jahrelang das einzige Angebot auf dem Schweizer Markt war, ist der Markenname zum Synomym für mobiles Telefonieren geworden. Es handelt sich dabei übrigens um eine Abkürzung von »Nationales Autotelefon«.

Also noch ein weiteres Beispiel für die zahlreichen Fallstricke, die für Deutsche in der Schweiz ausgelegt sind. Neulich las ich in diesem Zusammenhang, dass die Schweiz sehr vorbildliche Integrationsarbeit leiste. Nur für die Deutschen seien die Angebote absolut unzureichend. Man denkt eben, dass Deutsche sich hier ohne Weiteres zurecht finden, weil die Sprache ja im Prinzip die gleiche ist und sich die Kultur nicht so grundlegend unterscheidet. Aber in dem Artikel wurden dann etliche Dinge genannt, die eine kulturelle Kluft aufscheinen lassen, die tiefer ist, als gedacht und die Deutsche, die es in die Schweiz verschlagen hat, den dringenden Wunsch verspüren lassen, integrativ begleitet zu werden. Neben dem Schul- und Bildungssystem, das gänzlich anders ist als in Deutschland, wurde z.B. angesprochen, dass Schweizer mit Ironie nicht sonderlich viel anfangen können. Ich glaube, Deutsche lieben die Ironie, weil von ihnen stets in besonderem Maße politische Korrektheit erwartet wird, der sich ein Schweizer gar nicht in der Weise beugen muss. Ironie bietet da einen wunderbaren Ausweg. Man kann unerlaubte Dinge sagen und lässt sich durch Ironie immer noch ein Hintertürchen in die Welt der politischen Korrektheit offen. In dieser Welt sollte man jederzeit Zuflucht finden können, wenn man soviel historische Schuld auf sich geladen hat, wie die Deutschen.

Kategorien: Schweiz

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