Unrentabel, aber das effizient

Veröffentlicht von Christian Holst am

Eigentlich ist es ziemlich uncool, die eigenen Witze zu erklären, aber für meinen gestrigen Twitter-Post waren 140 Zeichen doch etwas wenig. Deswegen noch ein paar ausführlichere Worte dazu.

Bevor die Sommerpause der Theater beginnt wird die vergangene Saison bilanziert, weswegen im ZDF-Theaterkanal-Feed zur Zeit eine Erfolgsmeldung die nächste jagt, alle mit dem Ziel die eigene Arbeit zu legitimieren. Die Semperoper zum Beispiel rühmt sich stolz als effizientestes Opernhaus Deutschlands mit einem Eigeneinnahmenanteil am Gesamtbudget von 47%. Boah! Ist im Vergleich mit anderen Opernhäusern tatsächlich eine beachtliche Leistung, üblich sind um die 15%. Aber in der Logik der Erfolgsrechnung, die hier angewendet wird, ist es ein katastrophales Ergebnis: nicht mal die Hälfte der Kosten wird selbst erwirtschaftet! Was in der PR-Rhetorik »am effizientesten« genannt wird, heißt also eigentlich nichts anderes als »am wenigsten unrentabel«.

Es ist eben die Frage, wie zweckmäßig es ist, sich auf diese Logik einzulassen. Klar, der Steuerzahler hat ein Recht zu wissen, was mit seinem Geld angestellt wird. Aber der deutsche Bundestag, die Schulen oder die Polizei legitimieren ihre Arbeit auch nicht mit solchen Kennzahlen. Aus gutem Grund.


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