Buchtipp: Die Offenbarung

Veröffentlicht von Christian Holst am

Ein größerer Antiheld als Jakob Kemper lässt sich kaum denken, zumindest wenn man sich auf seine wehleidige Selbsteinschätzung einlässt: «Eine einzige Kränkung sei sein Leben gewesen, eine ins Monumentale getriebene Demütigung. Eine private wie berufliche Katastrophe.» So beginnt Robert Schneiders Roman Die Offenbarung. Kemper fristet sein Dasein als Klavierlehrer, ehrenamtlicher Organist im Naumburger Dom und unbedeutender Bachforscher, nachdem er zuerst als Komponist, später als maßstabsetzender Bachinterpret gescheitert ist. Dazu kommen ein problematisches Verhältnis zum Vater und zum Alkohol. Kein Wunder also, dass Kemper völlig aus dem Gleichgewicht gerät, als er eines Tages eine bislang unentdeckte Partitur des späten Bach in der Naumburger Orgel entdeckt und nun hofft, es der blasierten Fachwelt nun endlich zeigen zu können. Allerdings schleudert ihn der Fund in einen emotionalen Ausnahmezustand, dessen Facetten von blanker Panik bis zu euphorischer Selbstüberschätzung reichen. Schneider schildert all dies mit schonungslosem und doch sympathisierenden Spott was Kemper angeht und mit großem Sachverstand, was die Musik Bachs angeht. Wenn Kemper am Ende mit dem Fund zwar nicht der erhoffte Sprung in die Champions League der Bachforscher und die erhoffte gesellschaftliche Rehabilitation gelingt, dann ist man als Leser doch immerhin froh, dass er zumindest mit sich selbst ins Reine kommt.


2 Kommentare

Jens · 12. März 2009 um 0:09

Das hört sich jetzt nicht besonders schlecht an. Aber ich würde gerne wissen, was Sie von diesem Buch halten. Denn man kann ja hier den Inhalt schon preis geben, aber man wird so einfach keinen Einblick bekommen was die Leser davon halten und das ist mir eigentlich schon wichtig bevor ich ein Buch kaufe oder mir ausleihe. Haben sie das Buch denn schon gelesen und können mir vielleicht kurz sagen, wie sie es fanden und was sie beim Lesen gefühlt haben?

CH · 13. März 2009 um 16:50

Ich habe ja auch etwas darüber gesagt, wie das Buch geschrieben ist. Mir hat es Spaß gemacht, es zu lesen.

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