Kulturunternehmertum, Teil 1: Theaterkalender PUCK

Veröffentlicht von Christian Holst am

Es gibt die einen, die den Zustand der Kulturszene von einflussreichen Stellen aus beklagen und ein paar lustige Verbesserungsvorschläge machen, die sowieso nicht realisiert werden, über die aber alle reden. Und es gibt Ideen und Initiativen, über die gar nicht so viel geredet wird, aber viel mehr geredet werden sollte. Denn da sind junge Kulturunternehmer am Werk, die nicht aus einer abgesicherten Position heraus die Zustände in selbstgefälliger Manier bejammern, sondern mit Engagement und Risikobereitschaft eigene Ideen umsetzen und damit zeigen, wie der Kultursektor erneuert werden kann: nicht durch die große politische Reform, sondern durch kleine Initiativen engagierter Personen, die die Probleme die sie sehen, ganz praktisch angehen. Ich habe mir deswegen überlegt, eine kleine unregelmäßige Reihe über Kulturunternehmer im Blog zu starten. Die Reihe startet heute mit einem Interview, das ich mit Martina Edin, einer der Macherinnen des Theaterkalenders Puck, geführt habe. Puck ist ein wirklich schön gemachter, gut durchdachter Kalender für Theaterleute. Puck wird zwar nicht alle Probleme des Kulturbetriebs lösen, aber wer analoge Kalender nutzt, hat damit immerhin seine Terminprobleme im Griff. Neben dem übersichtlichen Kalendarium – eine Woche auf einer Doppelseite, gleich viel Platz für jeden Tag, auch für Sonntage, pro Tag eine interessante Kurzinfos – enthält Puck eine Übersicht mit (Theater-)Festivals, runden Geburtstagen bedeutender Theaterleute und ein Theaterwörterbuch. Außerdem ein Lesezeichen, das man in die Ringbindung einklemmen kann und so jederzeit die aktuelle Woche findet. Eine Verbesserung wäre es noch, wenn dieses Lesezeichen etwas über den Kalenderrand hinausragen würde, damit man das aktuelle Datum leichter findet. Zu alledem enthält der Kalender kleine Aufkleber, mit denen man Vorsprechen, Generalproben, Premieren und andere wichtige Termine im Kalendarium markieren kann. Eine wirklich gute Idee. Wie man es vom Moleskine kennt, wird der Kalender durch ein Gummiband geschlossen gehalten.

Wer in eine Buch- oder Schreibwarenhandlung geht, um einen Kalender zu kaufen, hatte auch vor PUCK schon die Qual der Wahl. Warum braucht es noch einen weiteren Kalender?
PUCK ist ein besonderer Kalender, sowohl in der Funktion als auch in der Gestaltung. Die Wahl ist also keine Qual mehr – PUCK ist der einzige Kalender, der so perfekt zugeschnitten ist auf die Bedürfnisse der Zielgruppe Theaterschaffende.

Ok, das klingt sehr überzeugt. Aber auch Theaterleute haben iPhones und Blackberrys. Werden Papierkalender denn überhaupt noch benutzt? PUCK ist wirklich schön gemacht, aber ich persönlich benutze seit drei Jahren nur noch einen digitalen Kalender.
PUCK ist bewusst «anachronistisch», da wir festgestellt haben, dass viele Menschen weiterhin gerne analoge Kalender nutzen und man hier viel besser den Überblick behält. Auch für die Arbeit in einer Spielzeitplanungsrunde hat man mit PUCK die bessere Vorausschau. Zudem ist PUCK auch ein Informationsmedium mit Festivals, Gedenktagen usw., die in einem reinen digitalen Organisationstool keinen Platz haben. Ich persönlich bin vom digitalen Kalender wieder auf analog umgestiegen, da ich diesen immer aus der Tasche ziehen kann – er braucht keinen Strom, man muss seinen PC nicht hochfahren und man kann gleichzeitig telefonieren, wenn man in den Kalender schaut.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, einen Kalender speziell für Theaterleute herauszubringen?
Als Theaterschaffende haben wir uns immer einen Kalender gewünscht, der Spielzeiten abdeckt und Spezifika bietet, die die Arbeit erleichtern. Während der Arbeit an verschiedenen Theatern hatten wir allerdings nie Zeit, dieses Projekt zu verwirklichen. Daher nun, nachdem ich mich mit der Schaltzentrale selbstständig gemacht habe.

Sie sprechen von «wir». Wer sind die Macher hinter PUCK?
Das sind die Dramaturgin Birte Werner, der Grafiker Sven Ludwig und ich. Birte ist verantwortlich für die Redaktion, Sven für die Gestaltung und ich für Marketing und alles Organisatorische.

Wie sind Sie an die Umsetzung der Idee gegangen? Haben Sie einen Businessplan gemacht oder einfach mal losgelegt?
Es war gewissermaßen eine Mischung von Loslegen und Plan erstellen. Zunächst haben wir uns getroffen und über die Rahmenbedingungen gesprochen und die Ziele. Einen Businessplan haben wir in Form einer Kalkulation und eines Maßnahmenkatalogs erstellt. Als die groben Eckdaten standen, haben wir eine Druckerei kontaktiert, mit der wir schon zu Theaterzeiten zusammengearbeitet haben. Das Bodensee-Medienzentrum ist auch unser Versandzentrum.

Wie haben Sie das Projekt finanziert?
Das Projekt finanziert sich ausschließlich über Eigenmittel und Anzeigenschaltungen.

Welche Schwierigkeiten hatten Sie bei der Umsetzung und wie haben Sie sie gelöst?
Richtige große Schwierigkeiten hatten wir eigentlich nicht. Es gab natürlich manchmal kleinere Probleme und die üblichen Diskussionen über Aussehen, Fertigung, Handhabung, Budget, E-Shop-Funktionen usw. Aber nichts, was nicht durch eine Skype-Konferenz gelöst werden konnte.

Wie lange war insgesamt der Zeitraum von der Idee bis heute, zum Launch des Kalenders?
Die Idee entstand 2006 in einer Kneipe in Konstanz, nach einer Spielplansitzung im Theater. Mit der Realisierung haben wir im Oktober 2011 begonnen, im April 2012 erschien PUCK dann.

Noch ein paar Fragen zum Marketing. Wie machen Sie auf den Kalender aufmerksam, welche Marketingmaßnahmen führen Sie durch?
Gestartet sind wir mit Direktmarketing, das nach wie vor unser wichtigstes Tool ist: In einer ersten großen Werbeaktion haben wir unser Netzwerk genutzt und ca. 1000 Freunde und Bekannte, die an Theatern arbeiten, alle Marketing-Abteilungen und die Festivals, deren Termine PUCK verzeichnet, angeschrieben. Daneben gab es den Aufbau einer facebook-Seite und Anzeigen in Fachzeitschriften, Online-Portalen. Die zweite große Werbeaktion war die Verschickung von Postkarten und Plakaten an Theater für den backstage-Bereich und eine weitere begleitende Email-Aktion. Die Präsenz auf twitter folgte der facebook-Seite Anfang Juni. Rezensionen in Fachzeitschriften und online, sowie die Verschickung von Ansichtsexemplaren an Multiplikatoren sind ein weiteres Marketingtool, ebenso wie die Präsenz auf Festivals (Theatertreffen, Schöne Aussicht, Stückemarkt). Und natürlich Mundpropaganda, Weiterempfehlung durch Bekannte und Freunde. Zum Glück sind wir ganz gut im Theaterbereich vernetzt, so dass wir in verschiedenen Städten Deutschlands Theatermenschen gezielt ansprechen können. Da unser Werbebudget sehr klein ist, besteht der Hauptteil der Werbung in unserer Arbeitszeit.

Welche Rolle spielt Social Media dabei? Ich habe gesehen, dass Sie auf Facebook zum Beispiel eine PUCK-Geschichte erzählen. Was ist die Idee dahinter?
Die Idee hinter der PUCK-Geschichte ist, die facebook-Leser mit Hintergrund-Stories am Ball zu halten. Facebook ist ein sehr schnelllebiges und leider auch oberflächliches Werbeinstrument. Bei den zahllosen Einträgen, die man pro Tag erhält, fischt man sich das raus, was sich ein bisschen von den anderen Kurzeinträgen und Ankündigungen abhebt. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man insbesondere gerne kleine Filmchen und private Stories weiterleitet und verlinkt. Wir planen auch einen kleinen PUCK-Film.

Warum haben Sie sich für welche Kanäle entschieden? Sie sind zum Beispiel auch auf Twitter vertreten, haben aber – zumindest bis jetzt – kein Blog.
In der Tat haben wir uns gegen einen Blog entschieden, da dieser regelmäßig gepflegt werden muss mit interessanten Neuigkeiten. Diese verbreiten wir über facebook und twitter besser als über einen Blog, da unsere Neuigkeiten sich in Grenzen halten. Es gibt PUCK nun und der Fokus liegt auf der Nutzung des Kalenders. Wir haben nicht den Anspruch online einen Informations-Dienst anzubieten. Das würde den Rahmen unserer Arbeitszeit sprengen und wäre auch nicht zielführend.

Wie ist das Feedback und der Absatz bislang? Sind Sie zufrieden mit dem Echo, dass Sie bisher bekommen haben?
Wir sind sehr zufrieden mit den Rückmeldungen, die wir bekommen. Ausschließlich Lob und auch ein paar interessante Verbesserungsvorschläge. Der Absatz könnte noch ein bisschen besser werden, es muss sich noch mehr rumsprechen. Wir sind aber zuversichtlich, dass mit Start der neuen Spielzeit dann eine weitere große Verkaufs-Welle kommt.

Sind schon bestimmte Weiterentwicklungen geplant wie z.B. eine digitale Version?
Über eine App und eine digitale Version haben wir schon nachgedacht, das klingt nicht unspannend. Dazu fehlen uns aber leider die finanziellen und zeitlichen Ressourcen momentan. Sobald wir PUCK gut verkauft haben, können wir über eine zweite Auflage und Erweiterungen nachdenken.

Vielen Dank für das Gespräch.


2 Kommentare

Katrin Schroeder · 2. Juli 2012 um 20:34

Ich freu mich, dass der Theaterkalender Puck hier vorgestellt wird, und gratuliere Martina, Birte und Sven zu dieser wundervollen Idee! Ich bin dankbar, so viel von der Umsetzung mitbekommen zu haben und einer der ersten Theatermenschen mit einem Puck gewesen zu sein 🙂
Mein Puck schlägt sich im Alltag ganz fantastisch (diese Woche hat ja sein Kalenderjahr begonnen) und möchte ihn allen Leser(innen) wärmstens ans Herz legen!

kulturblog.net – Einfach machen! – Interview mit Julia Kadar, premiertone · 22. September 2012 um 6:35

[…] eine Serie gestartet mit Interviews mit jungen Kulturunternehmern. In der ersten Ausgabe gabs ein Interview mit den Machern des Theaterkalenders Puck. Heute folgt die Fortsetzung mit einem Interview mit […]

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