Das Rheingold I: Der Karajan-Film

Veröffentlicht von Christian Holst am

Rheingold In Vorbereitung auf einen Workshop beschäftige ich mich gerade mit dem Rheingold, dem Vorabend zu Wagners Ring des Nibelungen. Gerade sah ich dazu den Rheingold-Film, den Karajan 1978 gedreht hat und der jetzt auf DVD wiederveröffentlicht wird. Er ist ein gutes Beispiel dafür, dass man noch lange keine Aufführung in Wagners Sinne hat, wenn die Kostüme und Bühnenbild in etwa so aussehen wie damals in Wagners eigenen Inszenierungen. Gelungen sind nämlich lediglich die Verwandlungsszenen zur dritten und vierten Szene und und die, in der der unsichtbare Alberich die Nibelungen durch Nibelheim scheucht. Denn die sind filmmäßig konzipiert und lassen sich im Film deswegen so realisieren, wie es im Theater niemals möglich wäre, zumindest nicht, solange der Requisiteur keinen echten Tarnhelm auftreibt.

Alles andere an diesem Film grenzt regiemäßig an Arbeitsverweigerung. Die Personenregie ist einfach nur lahm und öde, ohne jede Idee oder dramatische Zuspitzung, nicht selten sogar vollkommen unsinnig geraten. Lediglich die Ermordung Fasolts ist eine Ausnahme. Mitunter scheint den Sängern noch nicht einmal klar zu sein, was sie gerade singen. Ziemlich schwachsinnig fand ich auch, die Darsteller für den Film – der überwiegend aus Nahaufnahmen besteht, weil Plateau-Aufnahmen im Fernseh-Format nicht sonderlich wirken – wie für die Bühne zu schminken. Da graut es einem stellvertretend für Richard vor all dem Kostüm- und Schminkewesen. Aber so trashig wie die Masken sieht leider das gesamte Setting aus.

Angesichts dessen, was filmtechnisch (auch 1978 schon) möglich gewesen wäre, hätte man den Film konsequent als solchen gedreht und nicht als mit ein paar filmischen Tricks aufgemotzte Opernaufführung, und angesichts der nur wenigen wirklich gelungenen Momente ist dieses an sich interessante, viel versprechende Projekt eine vertane Chance.

Kategorien: Film / TV

2 Kommentare

Berlin · 25. April 2008 um 13:06

Ich finde die Kritik etwas überzogen. Sicherlich kein Meisterwerk, aber durchaus sehenswert.

Das Rheingold II: Das Stuttgarter Rheingold | Kulturblogger · 24. März 2008 um 8:55

[…] 18.3.: Das Rheingold I: Der Karajan-Film […]

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