Kultur ist unkaputtbar

Veröffentlicht von Christian Holst am

Auf dem Kulturmanagement-Blog und auf Moving-Culture wird gerade die gute alte Frage diskutiert, wieweit Kultur mit Wirtschaft verzahnt werden sollten und was Kultur eigentlich „wert“ ist. Ein Problem ist meines Erachtens, dass sich die Grenze gar nicht scharf ziehen lässt.

Zum einen, weil Kultur nicht von wirtschaftlichen Rahmenbedingungen abhängt. Besonders die sog. Hochkultur ist hochgradig verinstitutionalisiert, aber mit der Abschaffung von Institutionen geht Kultur an sich nicht verloren. Das einzigartige, aber kostspielige Theaterwesen in Deutschland ist nicht zwingend ausschlagebend dafür, ob Menschen Theater spielen oder nicht. Es hilft dabei, es ist gut, aber es ist nicht das Theaterspielen an sich. Die Schlussfolgerung aus dieser Überlegung ist in meinen Augen allerdings nicht, dass einem deswegen die Institutionen egal sein können, sondern dass man bewusste Entscheidungen für oder gegen diese Institutionen treffen kann. Eine bewusste Entscheidung dafür heißt dann aber auch, die wirtschaftlichen Grundlagen bereitzustellen und nicht ständig in Frage zu stellen.

Zum anderen, weil kulturelle Innovationen heute nicht aus Kultureinrichtungen kommen, sondern aus Wirtschaftsunternehmen. Die Geschichten über das Leben im 21. Jahrhundert, die kulturgeschichtlichen Bestand haben werden, erzählt nicht mehr das Theater (ja gut, es gibt Versuche, aber wird so etwas bleiben?), sondern Kino und Fernsehen. Die Musik, die heutiges Lebensgefühl unmittelbar widerspiegelt, wird von Grönemeyer oder U2 oder sogar gecasteten Teeniebands gespielt und gesungen, aber nur selten von an den Musikhochschulen ausgebildeten Künstlern. Mit dem, was heute kulturell relevant ist, wird also viel Geld verdient. Kulturschutz analog zum Umweltschutz, wie in den Kommentaren auf dem Kulturmanagement-Blog vorgeschlagen, halte ich deswegen nicht für zwingend. Es dient der Artenvielfalt. Kultur an sich aber ist unkaputtbar.


5 Kommentare

Christian · 14. April 2008 um 10:21

Das stimmt, es ist sehr schwierig, den „Wert“ von Kunst und Kultur zu bestimmen. Vielleicht ist es auch der falsche Weg, diese Grenzen auf einer allgemeinen Ebene zu ziehen? Was wäre, wenn jeder den Wert für sich selbst festlegt?

Du sprichst davon, dass mit dem „Kulturschutz“ die Artenvielfalt erhalten bleiben könnte. Denkst Du nicht, dass wir diese Artenvielfalt brauchen, damit daraus Neues entstehen kann? Sonst wird aus der Heterogenität ganz schnell Homogenität und damit würden wir Kunst und Kultur die Grundlage entziehen.

Aber um „Schutz“ von Kultur geht es mir nicht. Das klingt so nach Reservat. Und soweit sind wir ja noch nicht…

CH · 14. April 2008 um 11:07

Naja, wenn öffentliche Finanzierung ins Spiel kommt, braucht es auch ein allgemeines Einvernehmen darüber, welchen (ökonomischen) Wert Kultur haben soll. Persönlich liegt dieser Wert bei meiner Schmerzgrenze, was ich für Eintrittskarten zu zahlen bereit bin.

Die kostenintensiven Kultureinrichtungen, die öffentlich finanziert werden, haben in meinen Augen eine museale Funktion und tragen nicht dazu bei, dass wirklich Neues entsteht. Aber das muss auch nicht immer das Kriterium sein, oder? Eine Beethoven-Sinfonie ist nunmal einfach ca. 200 Jahre alt und damit nicht mehr neu. Sie wird heute gehört, weil sie gut ist, nicht weil sie neu ist. Qualität ist natürlich auch ein Wert.

Insgesamt wollte ich mit dem Beitrag auch sagen, dass ich mir wenig Sorgen um Kultur als solche mache. Denn wo sie ein wirkliches Bedürfnis ist, wird sie auch stattfinden. Vielleicht nicht mit Millionenetats auf Weltniveau, aber es wird sie geben. Wo sie kein wirkliches Bedürfnis ist, können wir auch drauf verzichten.

beisasse · 16. April 2008 um 19:08

wie beruhigend. aber ich glaube das auch.

Berlin · 25. April 2008 um 13:12

Kultur braucht einen geschützten Raum, auch einen wirtschaftlich geschützten. Die Frage ist aber doch, nach welchen Richtlinien wir für wen solche Räume schaffen. Die ganze Diskussion kommt doch nur dadurch zu Stande, dass niemand mehr weiss, wofür wer Subventionen bekommt, und warum wer nicht. Es geht in der Duskussion nur noch um Summen, aber viel zu selten um Ziele.

CH · 26. April 2008 um 9:14

Das ist richtig. ein weiterer Grund dafür ist, dass Kulturpolitik ungeeignet zu sein scheint zur Profilierung für Politiker. Selbst der Kulturstaatsminister macht ja mehr Wirtschafts- als Kulturpolitik. 🙂

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