Das war das nördlichste stARTcamp aller Zeiten

Mittlerweile ist das Thema Digitalisierung auch im Kultursektor angekommen. Man kann das u.a. am Interesse am ersten Hamburger stARTcamp sehen. Trotz Vorverkaufsstart mitten in der Sommerpause waren die Tickets binnen anderthalb Wochen praktisch weg. Etliche Teilnehmer nahmen auch längere Anreisen in Kauf, um bei der Premiere dabei zu sein. Auch die Bereitschaft, Sessions anzubieten war erfreulich (vielleicht hatte das mit den tollen Incentives zu tun, die Katrin Schröder und René Scheer vorbereitet hatten), Session- und Raumangebot gingen genau auf. Weil sich alle Teilnehmer sehr diszipliniert an die «Jeder nur 3 Hashtags»-Regel in der Vorstellungsrunde hielten und der Sessionplan früher fertig war als gedacht, konnten wir sehr entspannt in den Vormittag starten.

In der ersten Session, die ich besuchte, stellte Leonardo de Araujo die Anwendung artfacts vor, ein Tool, das Strukturen und Verknüpfungen von Daten visualisiert. Die Session wurde schnell zu einer Grundsatzdiskussion unter Informatikern, ob bei der Software-Architektur Variante A oder B sinnvoller ist. Ich muss gestehen, dass ich bald nicht mehr richtig hinterher kam. Mein Fazit daher:

Im zweiten Slot habe ich selbst eine Session gehalten und zwar zur Frage nach Sinn und Unsinn von Strategien/Konzepten beim Einsatz von Bewegtbild. Mein Vortrag fußte auf einem kleinen Forschungsprojekt, das ich vergangenen Herbst an der Zürcher Hochschule der Künste durchgeführt habe. In diesem Herbst erscheint dazu ein Artikel in der Zeitschrift für Kulturmanagement, kommende Woche halte ich dazu einen Vortrag bei einem Symposium in Regensburg. Darüber werde ich im Blog sicher noch berichten, weswegen ich mich an dieser Stelle kurz halte.

In der Mittagspause passierte dann die einzige kleine Panne des Tages: Der Caterer verspätete sich wegen eine Straßensperrung um 50 Min. und hatte leider nicht die richtige Telefonnr. dabei, um Bescheid zu geben. Insofern war lange Zeit etwas unklar, ob es nur die Reste vom Frühstücksbüffet zum Mittag geben würde. Die Teilnehmer trugen es mit Fassung und irgendwann kam die Suppe dann zum Glück doch noch.

Nach dem Mittagessen folgte eine inoffizielle Privatsession zu weiteren Konferenz- und Camp-Plänen, bevor ich Iris Groscheks #yolocaust-Session besuchte. Dabei ging es um die Frage, wie sich eine KZ-Gedenkstätte im Netz präsentiert und wie sie auf die zahlreichen Posts von Besuchern reagieren kann. Iris machte mit ihrer Session deutlich, dass wir nicht einfach von Social Media in Kultureinrichtungen sprechen können, sondern unterschiedliche Einrichtungen auch sehr unterschiedliche Herangehensweisen brauchen und sehr unterschiedlich mit Social Media umgehen müssen. Das mag erstmal banal klingen, aber es ist eben doch etwas ganz anderes, mit einem unzufriedenen Theaterbesucher umzugehen, der sich im Ton vergreift, als mit Leuten, die das beim Thema Holocaust tun. Auch wenn das laut Iris die allerwenigsten sind – ein paar abschreckende Beispiele konnte sie doch zeigen. Und auch die positiven Beispiele haben gezeigt: Die Online-Gespräche über einen Besuch in einer KZ-Gedenkstätte sind anders, als die über neue Inszenierungen oder Ausstellungen. Dementsprechend müssen sie auch von Einrichtungsseite her anders begleitet und moderiert werden.

Die Abschlusssession zeigte, dass sich mittlerweile sehr viel Social Media- und Online-Expertise auf den stARTcamps versammelt. Ein kleines Krimitheater-Unternehmen lud im letzten Slot des Tages zum Brainstorming für seine Social Media-Aktivitäten ein und die Runde hielt sich nicht zurück mit guten Ratschlägen. 😉 Schnell war man bei Detailfragen zur richtigen Content-, SEO- und Website-Namen-Strategien. Meine Meinung: Lieber erstmal kleine Brötchen backen und genau überlegen, was man will und wie man am schnellsten zum Ziel kommt. Ein Modell wie zum Beispiel das Digital Engagement Framework hilft dabei, sich die richtigen Fragen zu stellen und auf diese Weise möglichst effizient zum Ziel zu kommen.

Wie jedes stARTcamp war auch das in Hamburg schon wieder vorbei, kaum dass es angefangen hatte. Das ist zwar schade, aber eigentlich immer ein gutes Zeichen. Das Feedback war überwiegend positiv und sogar aus dem Haus von Monika Grütters gab es ein Lob.

P.S.: Auf dem Blog des Archäologischen Museums Hamburg gibt es einen lesenswerte Beitrag von Anais Wiedenhöfer, die das erste Mal ein stARTcamp besucht hat. Und Katrin Schröder hat dankenswerter Weise ein storify vom stARTcamp erstellt.

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