Künstlereinkommen: Froh zu sein bedarf es wenig

Veröffentlicht von Christian Holst am

Petitionen haben gerade Konjunktur. Erst die Orchester, dann die Urheber, schließlich die Selbständigen. Die wehren sich gegen eine von Ursula von der Leyen geplante Rentenreform, bei der Selbständige einen einkommensunabhängigen Beitrag in Höhe von ca. 400 EUR leisten sollen. Es ist klar, dass dies für diejenigen, die noch nicht so dick im Geschäft sind, ein hoher Betrag ist, der erstmal bestritten werden will. Dieser Entwurf betrifft auch zahlreiche Kreative und Künstler. Zwar haben die die Möglichkeit, in die Künstlersozialkasse einzutreten, die quasi den Arbeitnehmerbeitrag der Sozialversicherungen übernimmt. Viele Künstler – gerade diejenigen, die wirklich innovativ sind – scheitern aber oftmals am Kunstbegriff der Künstlersozialkasse, der offenbar nicht ganz Schritt gehalten hat mit der Zeit:

Wer Mode entwirft, zuschneidet und an einem Kleiderbügel verkauft, gilt als Handwerker nicht als Künstler. Wer Mode entwirft, und die Entwürfe verkauft schon. Wer sie entwirft, zuschneidet, und in einem Bilderrahmen anbietet, kann es vielleicht als Collage und damit als Kunst durchgehen lassen. Wer Bücher schreibt und davon halbwegs leben kann, kommt rein. Wer Programme schreibt sehr wahrscheinlich nicht. (Deskmag)

Wenn man dann der Einfachheit halber für alle freien Künstler und Kreative das Durchschnittseinkommen derjenigen zugrunde legt, die es in die Künstlersozialkasse geschafft haben, dann wird einem der Wahnsinn des Reformvorhabens schnell deutlich: Es lag 2011 bei knapp 13.700 EUR im Jahr. Selbst wenn man berücksichtigt, dass die Versicherten ihr Einkommen prognostizieren müssen und dabei vermutlich eher vorsichtig rechnen – auch um die Versicherungsbeiträge niedrig zu halten – steht die Sorge vor Altersarmut auf der Prioritätenliste sicher ziemlich weit unten.


2 Kommentare

Armin · 3. Juni 2012 um 13:54

Glücklich, wer in der KSK ist & über das durchschnittliche Einkommen von 13.700 Euro verfügt. Mit den fast 5.000 Euro geplanten Kosten für die Zwangsabggabe in die Rentenkasse bleibt den selbstständigen Künstlern mit dem übrigen Geld eigentlich nur noch die Kugel.

In der Tat ist der durchschnittliche Jahresgewinn von Künstlern in Deutschland um vieles niedriger. Geht man davon aus, dass es eine Unzahl von selbstständigen Künstlern gibt, die nicht in der KSK Mitglied sind & von zum Teil mehreren Jobs hart an der Armutsgrenze leben oder gleich den Weg von der Hochschule in Hartz4 oder Arbeitslosengeld antreten.

Von vielen Künstlern in der KSK wird das voraussichtliche Jahreseinkommen aber auch eher hochgerechnet, um so langfristig in der KSK bleiben zu dürfen.

    Christian Holst · 3. Juni 2012 um 14:12

    Ja, diese Fälle gibt es sicher genauso. Künstler zu sein, heißt also oftmals auch Lebenskünstler zu sein. Das wiederum macht dann etwas Sorge, wenn die Arbeitsformen von Künstlern als prototypisch für die Arbeitsformen der Zukunft angeführt werden.

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