Frauenquote im Kulturbereich?

Dass Kultur im Bundestagswahlkampf praktisch keine Rolle gespielt hat, liegt in der Natur der Kulturfinanzierung in Deutschland begründet: sie ist Kommunen- und Ländersache. Insofern verwundert es nicht, dass kaum eine der fünf (nunmehr vier) großen Parteien der Kultur mehr als zwei Seiten ihres Wahlprogramms gewidmet hat. Kulturmanagement-Network hat sich dennoch die Mühe gemacht und die Positionen in einer Serie dargestellt. Aufgrund des mauen Interesses und der geringen Bedeutung der Kulturpolitik in der Bundespolitik blieb eine Meldung fast völlig unbeachtet, die jedoch eigentlich einige grundsätzliche Überlegungen provoziert. Und zwar forderte Jürgen Trittin im Namen der Grünen eine Frauenquote für Kulturberufe. Auf den ersten Blick betrachtet hat diese Forderung zumindest mehr Sinn, als Privatunternehmen eine solche Quote aufzuzwingen. Schliesslich leben viele grosse Kultureinrichtungen von staatlichem Geld. Die Vertragsfreiheit, wie sie für private Unternehmen gilt, steht hier also ohnehin unter einem gewissen Vorbehalt politischer Zielsetzungen. Warum also nicht auch unter dem Vorbehalt einer Frauenquote?

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Wagner als Vordenker eines neuen Theaters

In der aktuellen Ausgabe der Mitteilungen der Richard Wagner-Gesellschaft ist ein längerer Aufsatz von mir erschienen, den ich auch hier zugänglich mache. Der Aufsatz basiert auf einem Vortrag, den ich im Frühjahr auf einer Tagung der Wagner-Gesellschaft halten durfte. Er greift im ersten Teil einen Blogpost aus dem März auf. Wenn man etwas weiterliest, kommt aber auch noch Neues…

Anlässlich des bevorstehenden Verdi- und Wagner-Jubiläumsjahr fragte die ZEIT im Herbst 2012 zehn Opernintendanten, wen der beiden sie für den größeren Komponisten hielten. Das Ergebnis war nicht überraschend, wenngleich doch interessant. Acht der zehn hielten es für am diplomatischsten, beiden die gleiche Größe und Bedeutung beizumessen und ließen allenfalls noch ihre private Vorliebe durchblicken. Zwei Intendanten allerdings schlugen sich eindeutig auf Seiten Verdis. Seine Opern seien kürzer, humaner, ehrlicher, konstruktiver. Wie man aus diesem flauen Lob unschwer ableiten kann, sind es jedoch nicht die Vorzüge und Qualitäten Verdis, die sie zu dieser Einschätzung bringen: Adjektive wie «kürzer» oder «konstruktiver» sind nicht gerade erste Wahl für eine ernst gemeinte Lobeshymne. (mehr …)

Ausgeliefert!

Wer Kultur unter die Menschen bringt, lebt oftmals prekär. Auch bei Konsumgütern wie T-Shirts oder Turnschuhen quält es unser Gewissen nicht, dass sie unter menschenunwürdigen Bedingungen hergestellt werden. Der Skandal an diesem Bericht über die Arbeitsbedingungen bei Kulturverteiler Amazon ist daher nicht, dass die Menschen so schlecht behandelt werden, sondern Weiterlesen…

«Mit offenen Flügeln spielen» – Interview mit Meret Lüthi

Im Rahmen der Serie zum Kulturunternehmertum im KM Magazin veröffentliche ich heute ein Interview mit der Geigerin und Orchesterleiterin Meret Lüthi. Das Interview habe ich in Hinblick auf den Artikel zum Thema «Führung und Zusammenarbeit» geführt: Wie führt man ein Team aus hochqualifizierten Freiberuflern, die einen hohen Anspruch an sich und ihre Arbeit haben? Den Artikel, in dem ich meine Schlussfolgerungen aus diesem Interview darstelle, erscheint in der nächsten Ausgabe des KM Magazins.
Meret Lüthi ist künstlerische Leiterin des Berner Orchesters Les Passions de l’Ame, das 2008 gegründet wurde. Das Orchester führt Musik des 17. und 18. Jahrhunderts in historisch informierter Aufführungspraxis auf. Es besteht aus einem Stamm von vierzehn freiberuflichen Musikern, die für ca. sechs Konzertprojekte pro Saison zusammenkommen. Meret Lüthi leitet die Konzerte von der Position der Konzertmeisterin aus.

Wie kommt man auf die Idee ein Orchester zu gründen? Ist das zusammen mit anderen entstanden oder hast du Leute gesucht, die zusammen mit dir deine Idee verwirklichen?
Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen. Ich habe die Idee geäußert, aber zugleich waren wir zuerst eine kleine Gruppe von drei Musikern, einem Coach und einer Kulturmanagerin, die das erste Projekt realisiert hat. Für dieses erste Projekt haben wir es uns nicht zugetraut, die musikalische Leitung selbst zu übernehmen und daher haben wir diese einem erfahrenen Coach im Bereich der historisch informierten Performance anvertraut. Nach dem ersten Projekt habe ich die musikalische Leitung übernommen und bin während der folgenden Projekte mehr und mehr in dieses Amt hineingewachsen. Seit dem vierten Projekt – das war 2009 – haben wir die gleiche Stammbesetzung und seitdem hat das Orchester auch seine eigene künstlerische Handschrift. (mehr …)

Kulturinfarkt und Elbphilharmonie

Heute morgen lag das kürzlich erschienene Sonderheft der Kulturpolitischen Gesellschaft zum Thema „Kulturinfarkt“ in meinem Briefkasten. Das Titelbild zeigt die Elbphilharmonie-Baustelle. Kein Artikel zum Kulturinfarkt, der nicht mit der Elbphilharmonie-Baustelle bebildert wäre. Das war auch schon bei den Rezensionen und Reaktionen zum Kulturinfarkt-Buch so. Ohne dass der Bau direkt etwas mit der Debatte zu tun hat, wird er dadurch zum Sinnbild des angeblich kurz bevorstehenden Kulturinfarkts. Ist das nicht irgendwie ungerecht? Soweit ich das aus der Ferne mitbekomme, ist das Problem an der Elbphilharmonie ja gar nicht, dass sie gebaut wird, sondern die Kosten, zu denen sie jetzt gebaut werden muss. Wenn man erstmal angefangen hat, kann man keinen Rückzieher mehr machen. Es ist zwar eine Unterstellung, aber nicht völlig abwegig, dass der Bauunternehmer sich diesen Umstand zunutze gemacht hat.
Aber noch mal zum Kulturinfarkt: Aus der Hamburger Musikszene habe ich vernommen, dass das Projekt Elbphilharmonie eigentlich eher eine Frischzellenkur für das Hamburger Musikleben sei. Denn mit der Entscheidung, die Philharmonie zu bauen, sei auch klar geworden, dass Hamburg sich als Musikstadt klar verbessern müsse. (mehr …)

Wagners Ring: Hollywood avant la lettre

Klaus Zehelein ließ kürzlich verlauten, dass er es für das beste hielte, man würde den Ring des Nibelungen im bevorstehenden Wagner-Jahr 2013 gar nicht spielen. Entgegen diesem Vorschlag sind in dieser und der nächsten Spielzeit ein Dutzend neuer Inszenierungen an deutschen Bühnen in Arbeit. Selbstverständlich auch in Bayreuth, wo nach einer Absage von Wim Wenders jetzt Frank Castorf Regie führen soll. Dass in Bayreuth oder anderswo viel Nennenswertes dabei zu Tage kommen wird, bezweifle ich wie Zehelein, der den Ring für interpretativ ausgeschöpft hält. Wobei: Lohnenswert wäre es in meinen Augen, eine musikalisch wie szenisch „historisch informierte“ Aufführung des Rings zu versuchen. Das heißt, so gut es eben möglich ist, die Bedingungen und Vorstellungen einer guten Aufführung aus der Entstehungszeit herzustellen. Die Alte-Musik-Spezialisten haben gezeigt, welche Aha-Erlebnisse solch ein Ansatz im musikalischen Bereich mit sich bringen kann und für Inszenierungen wäre es mal eine echte Sensation. (mehr …)

Kulturunternehmertum, Teil 1: Theaterkalender PUCK

Es gibt die einen, die den Zustand der Kulturszene von einflussreichen Stellen aus beklagen und ein paar lustige Verbesserungsvorschläge machen, die sowieso nicht realisiert werden, über die aber alle reden. Und es gibt Ideen und Initiativen, über die gar nicht so viel geredet wird, aber viel mehr geredet werden sollte. Denn da sind junge Kulturunternehmer am Werk, die nicht aus einer abgesicherten Position heraus die Zustände in selbstgefälliger Manier bejammern, sondern mit Engagement und Risikobereitschaft eigene Ideen umsetzen und damit zeigen, wie der Kultursektor erneuert werden kann: nicht durch die große politische Reform, sondern durch kleine Initiativen engagierter Personen, die die Probleme die sie sehen, ganz praktisch angehen. Ich habe mir deswegen überlegt, eine kleine unregelmäßige Reihe über Kulturunternehmer im Blog zu starten. Die Reihe startet heute mit einem Interview, das ich mit Martina Edin, einer der Macherinnen des Theaterkalenders Puck, geführt habe. Puck ist ein wirklich schön gemachter, gut durchdachter Kalender für Theaterleute. Puck wird zwar nicht alle Probleme des Kulturbetriebs lösen, aber wer analoge Kalender nutzt, hat damit immerhin seine Terminprobleme im Griff. (mehr …)

Konferenz: Partizipatives Storytelling

Der Begriff Storytelling hat Konjunktur, obwohl er eigentlich etwas beschreibt, das Menschen seit jeher tun: Geschichten erzählen. Wird der englische Begriff im Deutschen benutzt, dann schwingt allerdings noch eine gezielte, professionelle Herangehensweise an das Geschichtenerzählen in der PR- und Kommunikationsarbeit mit. Auch das ist nicht unbedingt neu, wenngleich es bislang eher intuitiv betrieben wurde. Neu ist die systematische Bearbeitung und Auswertung dieses Themas, gerade auch in Hinblick auf die Sozialen Medien, wo dem Geschichtenerzählen ein besonderer Stellenwert zukommt (s. dazu das Thema der stART11). Dem „partizipativen Storytelling“ war am vergangenen Dienstag eine Konferenz gewidmet, mit der das frisch gegründete Center for Storytelling erstmals an die Öffentlichkeit trat. Eine gelungene Premiere. Durch eine auf den ersten Blick recht bunte Auswahl an Sprechern wurde das Thema von verschiedensten Facetten beleuchtet: Mit Henry Jenkins gab ein profilierter Exerte zum Thema Storytelling eine theoretische Einführung. (mehr …)

Social Media in der Kulturvermittlung

Kürzlich wurde ich von den Museumsdiensten Basel und Pro Helvetia eingeladen, einen Debattenbeitrag für das Portal Kultur-Vermittlung.ch zu schreiben, was ich natürlich sehr gerne gemacht habe. Auf dem Portal erscheint in der Rubrik «Debatte» jeden Monat ein Beitrag zu einem Aspekt der Kulturvermittlung, der als Aufhänger für eine Diskussion gedacht Weiterlesen…

Künstlereinkommen: Froh zu sein bedarf es wenig

Petitionen haben gerade Konjunktur. Erst die Orchester, dann die Urheber, schließlich die Selbständigen. Die wehren sich gegen eine von Ursula von der Leyen geplante Rentenreform, bei der Selbständige einen einkommensunabhängigen Beitrag in Höhe von ca. 400 EUR leisten sollen. Es ist klar, dass dies für diejenigen, die noch nicht so dick im Geschäft sind, ein hoher Betrag ist, der erstmal bestritten werden will. Dieser Entwurf betrifft auch zahlreiche Kreative und Künstler. Zwar haben die die Möglichkeit, in die Künstlersozialkasse einzutreten, die quasi den Arbeitnehmerbeitrag der Sozialversicherungen übernimmt. Viele Künstler – gerade diejenigen, die wirklich innovativ sind – scheitern aber oftmals am Kunstbegriff der Künstlersozialkasse, der offenbar nicht ganz Schritt gehalten hat mit der Zeit: (mehr …)