Buchtipp: Der digital erweiterte Erzählraum

Buch: Der digital erweiterte ErzählraumIm Nachklang zum stARTcamps Schweiz 2016 gab es im Kommunikationsmuseum in Bern noch eine Buchtaufe. Ich hatte das in meinem Bericht über das Camp in einem kurzen Absatz bereits erwähnt. Inzwischen konnte ich mir das Buch etwas genauer anschauen und möchte es hier ausdrücklich empfehlen. Es ist nochmal deutlich umfangreicher und inhaltlich tiefgehender als das erste – für Einsteiger immer noch empfehlenswerte – audienceplus-Buch.

Das neue Buch «Der digital erweiterte Erzählraum» gliedert sich in drei Teile, die man grob mit Theorie, Praxis, Ausblick überschreiben könnte. Im ersten Teil werden die strukturellen Rahmenbedingungen erörtert, nach denen Museumsarbeit funktioniert (Museen als narrative Orte) und die Räume und Ebenen der Museumskommunikation in den sozialen Medien reflektiert. Ein weiteres Kapitel zeigt, wie sich der Museumsraum durch die sozialen Medien über die Grenzen der Einrichtung hinaus in die Öffentlichkeit erweitert, was schließlich in zu der Aufforderung führt, das Publikum als aktiven Partner in die Kommunikation mit einzubeziehen.

Der zweite Teil bietet einen in Zusammenarbeit mit drei Museen erarbeiteten Leitfaden zur Entwicklung von «Online-Offline-Projekten» im Museum. Praxisnah, aber dennoch theoretisch fundiert wird man angeleitet, eigene Erzählstrategien zu entwickeln, die sowohl den Realraum als auch die digitale Welt abdecken und beide Bereiche miteinander verknüpfen. Wie bei jeder Strategie geht es zunächst darum, die Ausgangssituation zu klären, Ziele zu definieren und ein präzises Bild von den Adressaten des Projekts zu entwickeln. Auf Basis dieser Vorarbeiten geht es dann um die Frage, wie Museen spezifische Erzählweisen entwickeln können, mit denen eine konsistente Geschichte (Story) über verschiedene Kanäle hinweg (transmedial) ausgebreitet wird. Das vorgestellte Verfahren lehnt sich eng an die Herangehensweise von NarraTool an.

Der dritte Teil ist wie gesagt so etwas wie ein Ausblick. Hier kommen sechs Berater und Praktiker in längeren Interviews zu Wort. Sie schildern ihre Erfahrungen mit Online-Offline-Projekten und zeigen auf, wohin die weitere Reise gehen kann und wird. In einem Anhang, der auch ein Unterkapitel im zweiten Teil des Buches hätte sein können, wird noch die Entwicklung einer Museumsstrategie mit speziellem Fokus auf Online-Aktivitäten beschrieben. Auch dieses Kapitel bietet eine pragmatische Anleitung für die eigene Anwendung.

Ein sehr gelungenes Buch also, das sowohl einen wichtigen theoretischen Beitrag zu dem auf dieser Ebene eher vernachlässigten Thema liefert, als auch ein gutes Arbeitsbuch für die praktische Arbeit sein wird. Das Buch ist aber nicht nur inhaltlich sehr gut gelungen, es ist von Leon Thau auch sehr ansprechend und übersichtlich gestaltet (man hat es schließlich mit ästhetisch anspruchsvollen Zielgruppe zu tun). Auch wenn man das Buch eigentlich als kostenloses PDF beziehen kann, lohnt es sich daher aber auch, die kleine Investition für die gedruckte Version (hier bestellen) zu tätigen. Außerdem ist es als E-Book auf Amazon erhältlich.

P.S.: Christian Henner-Fehr hat auf seinem Blog ebenfalls eine Besprechung veröffentlicht.

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