Geht Marketing mit Instagram?

Eine meiner Lieblingsdiskussionen im Bereich Social Media dreht sich um die Frage, ob und wenn ja wie man mit Instagram eigentlich Marketing machen kann. Einmal bekam ich die Antwort: «Naja, professionell halt». Ansonsten wird gern ins Feld geführt, dass die Wachstumsraten so groß wie bei keinem anderen Social Network sind (2015 waren es 20% Wachstum in den USA), es nirgends sonst so viel Interaktion gibt, Bilder halt emotional sind und schnell erfasst werden, Facebook nur noch was für Leute ab Mitte 30 ist usw. Meine Gegenthese ist dann immer, dass das zwar alles stimmt, aber noch nichts mit Marketing zu tun hat. Auch eine Website, die explizit absatzwirtschaft.de heißt, bleibt da mit ihren 5 Tipps für erfolgreiches Marketing auf Instagram sehr an der Oberfläche:

Instagram ist der neue Renner unter den sozialen Medien und wird immer wichtiger für Marken und Unternehmen.

Was heißt «immer wichtiger»? Warum «immer wichtiger»? Der Artikel gibt einfach ein paar durchaus geeignete Tipps, wie man auf Instagram sichtbar wird: Betreiben Sie Storytelling, liken Sie andere Unternehmen, etablieren Sie einen Hashtag, spannen Sie Instagrammer als ihre Markenbotschafter ein und seien Sie kreativ, spielen Sie mit den Fotos. Aber trotzdem bleibt die Frage, was daran Marketing ist. Sichtbarkeit allein hat aus Marketingperspektive keinen Selbstzweck. In dem guten alten AIDA-Konzept ist mit den genannten Punkten eigentlich nur die erste Stufe der «Awareness» abgedeckt. Erhält man dann Interaktionen, kann man das mit etwas gutem Willen als zweite Stufe, als Interesse, interpretieren. Das Problem an Instagram ist in meinen Augen, dass es bislang danach aufgehört hat. Bei «Desire» und vor allem «Action» hatte Instagram wenig zu bieten. In letzter Zeit haben sich die Funktionen deutlich verbessert. Seit kurzem gibt es Business-Accounts, die die Möglichkeit bieten, Kontaktinformationen über einen Weblink hinaus anzubieten, die Möglichkeit Call-to-action-Buttons einzubetten und schließlich Statistiken zu erhalten. Gerade ohne die Möglichkeit, die Fans auf irgendeine Weise aus dem Instagram-Universum abzuholen und Leads zu generieren, taugte der Dienst bislang für Branding, aber nicht für Marketing, dass per definitionem conversion-orientiert ist. Fehlt jetzt noch eine verbesserte Zugänglichkeit, sprich eine brauchbare Desktop-/Browser-Oberfläche und die Möglichkeit den Account vollautomatisch über ein Social Web Command Center zu verwalten, dann könnte Instagram noch eine vollwertige Alternative (oder Ergänzung) zu Facebook und Twitter werden. Und sich meine Lieblingsdiskussion für die Zukunft erübrigen.

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