Vier tote, weiße Männer füllen die Konzertsäle

Veröffentlicht von Christian Holst am

Ein Viertel aller Stücke, die die großen US-Orchester ins Programm nehmen, stammen von nur vier Komponisten, berichtet Norman Lebrecht. Eine kleine Handvoll toter weißer Männer, nämlich Mozart, Beethoven, Brahms und Tschaikowsky. «And you wonder why people have stopped going», schlussfolgert Lebrecht aus dieser «schockierenden Statistik» lakonisch. Offenbar sitzt er auch dem zur Zeit um sich greifenden Glauben auf, dass ethnische, soziale, geschlechtliche Vielfalt per se (musikalische) Qualität und ein begeistertes, treues Publikum bedeutet. Nähere Begründung, warum das so sein sollte? Fehlanzeige. Es kann also genauso gut sein – mir persönlich erscheint das auch wesentlich wahrscheinlicher -, dass es diesen vier toten weißen Männern zu verdanken ist, dass überhaupt noch Leute ins Konzert gehen. (Plakativ gesprochen.) Sofia Gubaidulina beispielsweise ist eine weiße, lebende Frau und großartige Komponistin aber nicht gerade bekannt dafür, dass die Leute ihrer Werke wegen scharenweise in die Konzertsäle strömen würden. Das kann man schade finden, ist aber eine Tatsache, mit der die Orchester umgehen müssen.


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